Essen & Trinken: Esstipps

Auch in Bezug auf Essen in Paris kann man durchaus Geld sparen, wenn man ein wenig aufpasst. Hier sind die wichtigsten Tipps:

1. À la Carte ist immer teurer als die Auswahl aus angebotenen Menues.

2. Und die nun folgende Aussage gilt für alles, was man kauft: Der grosse touristenvolle Boulevard ist immer teurer als die kleine Seitenstrasse mit den Einheimischen. Ein bis zwei mal abgebogen und ein paar Meter gelaufen, schon sind alle Waren deutlich preisgünstiger. Und vor allem: Sie sind in einem Lokal, das wirklich französisches Flair hat. Wo die Franzosen sitzen und sich über die Dinge des Alltags unterhalten. Lauschen Sie ruhig ein wenig. Besser kann man Paris und die Pariser gar nicht kennenlernen.

3. Ein Ratschlag mit einem kleinen Augenzwinkern: Sie erkennen die Preislage eines Restaurants auch an der Kleidung der Kellner. Je aufwendiger und scheinbar authentischer, desto teurer. Das hat oft mit 'besser' nichts zu tun! Beispiel: die gebratene Ente im Tour d'Argent für über 100 Euro hat inzwischen den Ruf 'grottenschlecht' zu sein. Aber wenn schon schlecht gegessen und abgezockt, dann wenigstens mit Niveau, gell? Gebratene Enten für 15 bis 20 Euro mit garantierter Verzückung und dem "Mein Gott! Wie haben die das nur gemacht!"-Gefühl gibts in jedem dritten Restaurant in Chinatown (Erinnern Sie sich? Zwischen Italie und Tolbiac!). Wir merken uns: Kellner, die an Pinguine erinnern oder in edelste Materialien gekleidet sind, sind ein Hinweis auf ein teures Etablissement! Kellner in T-Shirt und Jeans verlangen in der Regel auch weniger Entgelt für das Genossene! Grundsätzlich wähle man den Mittelweg: schwarze Hose, weißes Hemd, Fliege und schwarze Weste, oft noch Schürze dazu sind üblich.

4. Bistros, die durch den Müll auf dem Fussboden rund um den Zinc (Tresen) leicht schmuddelig aussehen, sind in der Regel gut! Der Dreck auf dem Fussboden hat hygienische Gründe! Ehrlich! Es ist in Frankreich verboten, Aschenbecker auf den Zinc zu stellen. Es könnte was auf die Gläser und Getränke/Speisen, die dahinter stehen, fallen. Deshalb ist es ganz normal, auf den Boden zu aschen und auch das Papier des Würfelzuckers dorthin zu schmeissen. Damit das nicht zu sehr Staub aufwirbelt, streuen alteingesessene Patrons (Wirte) Sägemehl um den Zinc. Das Gemisch kann dann leicht alle paar Stunden eingefegt werden, ohne dass die Gäste eine Staublunge bekommen. Solche ursprünglichen Bistros findet man in Paris nur noch schwer. Höchstens in den Seitenstrassen der Aussenbezirke (gemeint sind die Arrondissements 12-20). Aber dort werden Sie reell bedient und erhalten typisch Pariser Essen. Sehr erheiternd sind die kleinen Erlebnisse in diesen Lokalen, wenn Ihnen die Katze des Hauses auf den Schoss springt oder der Hund während des Essens an Ihrem Hosenbein zerrt, damit er was abbekommt. Es kann allerdings auch mal sein, dass der Patron und die "Garcons" (Kellner) etwas rustikal sind...

5. Bei der Gelegenheit: In den Schulbüchern steht immer der Hinweis, dass man den Kellner mit "Garcon, s'il-vous-plait!" heranruft! Das ist schon lange vorbei! Auch der Kellner ist in la France in Monsieur. Also rufen wir auch: "Monsieur s'il-vours-plait!". Handelt es sich um eine Kellnerin, rufen wir natürlich: "Madame s'il-vous-plait!"! Ist doch logisch! Sehr junge Damen können Sie auch mit Mademoiselle betiteln. Ist aber riskant, denn auch die petites Francaises heiraten früh und fühlen sich auf die Füsse getreten, wenn sie durch den Titel "Mademoiselle" als offensichtlich nicht heiratsfähig definiert werden. Etwas ältere Damen könnten sich allerdings auch schon wieder geschmeichelt fühlen, wenn man sie für jünger einschätzt, als sie sind.

6. Es muss nicht immer das Restaurant sein. Gönnen Sie sich vor allem zum Mittagsmahl auch mal einen Imbiss im Freien und besorgen Sie sich aus den vielen Geschäften leckere Sachen. Sie werden sehen, dass Sie damit Ihre Finanzen ungeheuer entlasten.

7. Lassen Sie sich auf den Fressmeilen nicht durch die Anreisser vor den Restauranttüren animieren. Gehen Sie in Ruhe durch die Strassen und studieren Sie die überall aufgestellten Menuekarten. Vergleichen Sie Preise, schauen Sie auf die Teller der Gäste, die schon essen, bewerten Sie das Ambiente des Lokals und vor allem stellen Sie sicher, dass das Lokal auch etwas anbietet, worauf Sie wirklich Appetit haben. Und dann: rein mit Ihnen!

8. Geld sparen kann man auch, wenn man statt eines üppigen Mittagessens im Restaurant einfach mal ein schönes Sandwich isst. Oder eine Crèpe im Stehen.

9. Wenn es Ihnen egal ist, wann Sie Ihre Hauptmahlzeit einnehmen, dann gehen Sie zur Mittagszeit Essen. Dann sind die Preise oft deutlich niedriger als am Abend.

10. Können Sie es sich nicht verkneifen, eines der Luxuslokale zu besuchen, dann tun Sie das ebenfalls am Mittag und halten Sie Ausschau nach dem Menue de Dégustation. Das sind Kostproben von allen Spezialitäten des Hauses zum günstigen (relativ) Preis.

11. Das preisgünstigste gute Essen in einem Lokal ist immer betitelt mit Plât du Jour. Dieses Gericht des Tages ist in der Regel mit Kreide angeschrieben. Da können Sie eigentlich nichts verkehrt machen, es sei denn, es trifft nicht Ihren Geschmack.

12. Und hier noch ein Insidertipp: günstig und gut essen Sie auch bei den Traiteurs, die ein paar Sitzplätze anbieten (das tun nicht alle! Vorher schauen!). Ausserdem können Sie sich Ihr Gericht vorher am Tresen ganz nach Geschmack zusammenstellen.

13. Auch wenn ich es eigentlich nicht verraten wollte - jetzt mache ich es doch. Einige der Markthallen haben in ihrem Inneren ein kleines Bistro für die Marktleute. Dort wird täglich oft nur ein einziges Essen gekocht. Aber das mit Liebe. Und suuperbillig! Wenn Ihnen also kärgliches Interieur, leichtes Schmuddelambiente, verbogenes Besteck, Plastikstühle und -tische, Reklameplakate aus den 50er Jahren und derbe Sprüche egal sind, dann trauen Sie sich! Schönste Halle und urigstes Bistro: Marché St.Quentin in der Nähe vom Gare du Nord und Gare de l'Est.

14. Und nochmal: mit Sicherheit abgezockt und schlecht bedient werden Sie an allen Orten, die touristisch unterwandert sind. Je mehr Touristen, desto schlimmer. (Ausnahmen bestätigen die Regel).

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