ESSEN & TRINKEN: Marché

Wochenmärkte sind eine wahre Erlebnistour für Gourmets. Nur finden muss man sie. Jedes Arrondissement hat an ein bis vier Plätzen an zwei bis drei Tagen in der Woche einen Wochenmarkt. Hier wird alles verkauft, was dem Magen Freude macht. Handelt es sich um einen grösseren Wochenmarkt, dann findet man hier auch fliegende Händler mit Lederwaren, Küchenutensilien, Schuhen und Bekleidung. Und das Wichtige bei der ganzen Sache: die Preise sind konkurrenzlos niedrig. Allerdings sind sie abhängig vom Ort des Geschehens. So sind an einem Tag dieselben Tomaten an der Place des Ternes um 50% teurer wie am Boulevard Belleville. So ist das eben: die Menschen im Dunstkreis der Champs Elysées haben eben mehr Kleingeld, wie die Bewohner des letzten Arrondissements der kleinen Leute, und dann sollen sie auch tiefer in die Tasche greifen. "Was für ein Blödsinn!", sagen Sie sich, "dann geht man eben dorthin, wo es billiger ist!" Klingt logisch! Ist es aber nicht. Der Pariser als solcher ist sehr verwachsen mit seinem Quartier. Es soll eine Menge Pariser geben, die ihr Viertel so gut wie nie verlassen. Ausserdem wird auf dem Markt fast alles eingekauft. Man kehrt also voll beladen und schwer schleppend wieder heim. Da überlegt man sich dann doch, ob es nicht angenehmer ist, vor der Haustüre zu kaufen, auch wenn es teurer ist.

Die Märkte haben in der Regel zwischen 7 und 13 Uhr geöffnet. Sehen Sie am Nachmittag des einen Tages irgendwo in Paris einen Platz, auf dem seltsame Metallrohrgerüste aufgebaut werden, dann schauen Sie doch, woher sie kommen. Sie werden einen Speziallastwagen entdecken, auf dem die Worte Marchés de Paris stehen. Sie merken also, dass die Märkte eine städtische Einrichtung sind. Die Stadt sorgt auch für Marktstände, damit so ein nettes Bild entsteht und die Händler sich nicht wild ausbreiten. Genau das haben Sie gesehen. Sie können also sicher sein, dass an dem Ort, wo die Rohre vor Ihren Augen zusammengesteckt wurden, am Folgetag ein Wochenmarkt stattfinden wird. Und am frühen Morgen kommen dann die Händler, bauen ihre Tresen auf und stapeln kunstvoll ihre Ware. Schnell ist der Platz schwarz vor Menschen. Die Händler rufen mal dezent (in den feineren Arrondissements) mal lautstark und kurz vor der Hyperventilation (in den bodenständigen Arrondissements) ihre Ware aus: "Eh voilà les avocats! Deux pour un aujourd'hui! Deux pour un!" Na kapiert, dass Sie heute hier für einen Euro gleich zwei Avocados bekommen können? Ist ja auch nicht so schwer zu verstehen. In der Praxis ist es aber ungleich schwerer, das Verstehen. Denn rund um Sie herum wird auf einigen Märkten gebrüllt, was das Zeug hält. Da muss man schon höllisch aufpassen, kein Sonderangebot zu verpassen!

Hier nur ein paar Beispiele für schöne Wochenmärkte:

- Place Félix Éboué/Boulevard de Reuilly
- Cours de Vincennes
- Place Monge
- Raspail
- Bastille
- Belleville
- Salpétrière
- Barbes

Der skurrilste Markt ist Belleville. Er ist der billigste in Paris. Kurz vor Mittag ist kaum noch durchzukommen. Die Händler brüllen wie am Spiess, die Kundschaft kommt augenscheinlich aus Afrika und Asien. Die Hausfrauen haben diese Einkaufstaschen auf Rollen, die sie hinter sich herziehen. Und das tun sie ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne einen Blick nach hinten zu wenden, kreuzen sie von einer Seite zur anderen. Und der Taschenwagen holpert über Füsse, ganze Menschen fallen über die Dinger. Aber die Hausfrau lässt sich nicht beirren. Zielstrebig geht sie weiter! Und wenn der Wagen einmal hängen bleibt, dann wir mit einem heftigen Ruck gezogen, egal, ob hinten jemand aufheult wie ein tanzender Derwisch und vor Schmerzen in die Knie geht.

Achtung: Wochenmärkte sind auch Festtage für Taschendiebe!
Also gilt (wie eigentlich für jede Grossstadt) keine Handtaschen für die Damen, keine Geldbörse in der Gesässtasche für die Herren.

Neben den Wochenmärkten gibt es auch Markthallen und tägliche Strassenmärkte. Wobei unter täglich jeder Tag ausser Montag zu verstehen ist. Die drei berühmtesten Strassenmärkte, die unbedingt besucht werden sollten:

- Rue Mouffetard
- Place Alligre
- Rue de Buci

Und nun noch einige Markthallen:

- Marché St. Quentin (wunderbare Eisen-/Glaskonstruktion von Hector Guimart, dem Erbauer der legendären Hallen)
- St. Germain (sehr modern, aber dennoch sehenswert)
- Enfants Rouges ( ganz neu renoviert und noch nicht ganz von der Bevölkerung angenommen)
- Passy (wer reich ist, kauft reich ein - deshalb gibt es hier sehr rare Delikatessen!)
- Ternes (auch hier kaufen die oberen 10.000)
- La Chapelle (rustikale Gegend und rustikale Menschen)