Oh doch! Es gibt auch mal Enttäuschungen in Paris. Natürlich muß es anderen Besuchern nicht so gehen. Aber wir waren eben enttäuscht. Punkt. Und ob Sie es glauben oder nicht: es handelte sich doch tatsächlich um die

Walt-Disney-Filmstudios

Hin und Zurück geht es sehr einfach: mit der RER-Linie A4. Wie gehabt kaufen wir uns die Tickets für die Fahrt (gleich allez-retour: ist billiger!) an der Kasse in Ihrer Métrostation. Haben Sie eine Mehrtageskarte, dann fahren Sie erst nach Nation und kaufen da. Sie sparen so ein paar Cent. An der Métrokasse bekommen Sie die Eintrittskarte für Disney. 38 € für Erwachsene und 29 € für Kinder. Die Preise entsprechen denen im Park und Sie sparen sich Wartezeiten an der dortigen Kasse. Die Eintrittskarten sind für beide Parks gleich. Sie können also noch bis zum Eingang wählen, in welchen der beiden Parks Sie gehen wollen. Unser Tipp: gehen Sie in den Themenpark und nicht in die Filmstudios! Wir hielten uns nicht an diesen Rat und mussten bitter büssen! Anmerkung: wenn Sie schon hinwollen, dann sind Dienstag und Donnerstag die besten weil leersten Tage.

An der Endstation der RER in Marne-la-Vallée geht's raus und man ist schon auf dem Disney-Gelände. Einfach rechts wenden und mit den Massen mitlaufen. Sie sehen dann schon die Eingänge. Vor Ihnen rechts ist der Eingang zum Themenpark durch das rosa Hotel. Links daneben befindet sich der eher ocker farbene Eingang zu den Filmstudios.

Wir gingen in Richtung Studios. Mal sehen, was uns Disneys Traumfabrik so bietet. Die Werbung hat uns ja schon ziemlich gespannt gemacht. Nach der Kasse ein kleiner Vorplatz mit Häuserfronten im Stil Happy Sunny California. Dann geht es in das riesige Haus mit der Aufschrift Studio 1. Pah! Von wegen Studio! Eine Mischung aus Merchandising und Gastronomie - das ist alles. Immerhin: die Deko ist nicht übel! Aber laut ist es! Wir ahnten ja nicht, das dies bis zum Verlassen der Studios so bleiben und uns schon bald den letzten Nerv rauben wird! Überall dröhnend laute Kinomusik. Überall! Selbst das Pinkeln ging nur im Takt des Mainetitels von Armageddon!

Bevor wir es vergessen: im Eingansbereich des ersten Hauses liegen Parkführer aus. In allen Sprachen! Als wir dort waren jedoch nicht auf Deutsch. Gut, das wir auch die französischen Faltblätter verstehen! Das war aber dann auch das letzte, was wir an diesem Tag auf Deutsch vernahmen. Alle anderen Erklärungen (Ausnahme: die Studio-Tour) verzichteten darauf, eine der größten Besuchernationen sprachlich zu berücksichtigen.

Aber wir erst mal geradeaus zu den Studio-Tours. Hier muss man den richtigen Eingang nehmen! Als Deutscher ganz links halten und den Eingang mit der deutschen Fahne drüber verwenden. Dann kommen erst mal die gewohnten Disney'schen Laufhecks, in die man getrieben wird und dann darauf wartet, dass was passiert. Es kam eine Diesel-Zugmaschine mit Anhängern dran. Die waren mit Bänken ausgerüstet und fassten alle Wartenden. Die Helfer ordneten die Sensationshungrigen mit einem Schwall hektisch ausgestossener französischer Worte, die kaum ein Mensch verstand, da deutlich mehr Ausländer wie Franzosen im Park waren. Deshalb reagierte auch niemand. Wir beschlossen: Dann verstehen wir auch kein Wort! Denn als die Seitenwände der Anhänger nach oben schwangen, drängelte sich jeder darum, den schönsten Platz zu ergattern. Da aber die Seitenwände nicht ordentlich funktionierten und das Personal zu knapp war, um sich um alle Anhänger gleichzeitig zu kümmern, blieben die Seitenwände auf halber Höhe stecken und die Menschenmeute kroch unterdurch, nicht ohne sich dabei eine ordentliche Beule zu holen. Schliesslich schloss sich unsere Seitenwand (wieder nicht ohne Nachhilfe des Personals) und der Zug fuhr los. Zunächst schaute man auf durch Büsche unterbrochene und mit weißen Linien gekennzeichnete asphaltierte Flächen von der Marke "Parkplatz Einkaufszentrum auf der Wiese". Dann ging es hinein in die Attraktion. Zuerst ein paar mehr oder weniger langweilige Kulissenteile, die durch einen Moderator, der per TV auf der Stirnseite des Anhängers zu sehen war, erklärt wurden. War trotzdem langweilig. Aber dann tauchte ein Monstrum auf, das Ähnlichkeit mit einer Raffinerie hatte. Dort fuhren wir rein und hielten an. Wir standen am Rande einer Szenerie, die einen Canyon darstellte. In halber Höhe ein scheinbar echter Tankwagen und ein Ölförderturm. Plötzlich dröhnte es und der Turm explodierte. Feuerwände mit enormer Hitze wälzten sich auf uns zu und verloschen erst haarscharf vor uns. Der Tankwagen explodierte ebenfalls mit riesiger Stichflamme. Die Erde begann zu beben. Unser ganzer Zug auch. Und zwar recht deftig. Plötzlich schien der Berg zu explodieren und tausende Liter Wasser stürzten lautstark auf uns zu. Erst ganz kurz vor uns versiegte das Wasser in einem unsichtbaren Graben. Unser Zug fuhr weiter, wieder an langweiligen Kulissenteilen vorbei und durchfuhr dann einen Set, der einen Londoner Strassenzug darstellen sollte. Das erkannte man aber nur an den roten Doppeldeckerbussen. Einzige Attraktion: eine Stichflamme aus einem Trümmerhaus rechter Hand, die wir schon vor ein paar Minuten deutlich größer in dem Canyon sehen konnten. Dann wieder Kulissenteile und schließlich die Vorbeifahrt an einem Haus mit einer gläsernen Wand, in der die Kostümschneiderei untergebracht war. Offensichtlich wurde da ganz real gearbeitet. Tatsächlich sind die Disney-Studios nicht nur Park, sondern dort werden wirklich Fernsehserien und Filme gedreht. Tja, das war's. Der Zug fuhr zurück zum Ausgangspunkt, die Seitenwände gingen immer noch nicht ordentlich und wir strebten zur nächsten Attraktion.

Ein netter Gag ist die Attraktion, die sich mit Animationsfilmen beschäftigt. Eine Mischung aus Film und realer Darstellung und immer wieder Erklärungen über das Wesen des Zeichentricks. Zum Teil konnte man per Kopfhörer die Sprache auch auf Deutsch hören. Immerhin: es war lustig und schwungvoll. Und Szenen aus allen berühmten Disney-Zeichentrick-Produktionen gab es auch zu sehen. Aber irgendwie hat Super-RTL das alles schon in der Glotze gebracht, fanden wir.

Weiter geht es zu Armageddon. Der Besucher wird in eine Kulisse geführt, die das Innere eines Raumschiffes darstellt. Was dann passiert, bietet auch jede gute Action-Anlage auf einem grösseren deutschen Jahrmarkt: Boden wackelt, Nebel nebelt, Wasser spritzt, Feuer faucht, Lautsprecher dröhnt. Ende. Nun ja!

Dann hinein in eine Disney-Fernsehproduktion. Eine Führung zeigt die Technik und dann die Studios, in denen irgendeine Sendung des Disney-Chanel geprobt wurde. Der Führer überschüttete uns wieder mal mit einem französischen Wortschwall, gespickt mit englischen Fachausdrücken, durch den französischen Akzent unverständlich geworden. Fanden wir auch öde.

Was jetzt? Vielleicht die Stunt-Show? OK! War auch nur das, was man überall sehen kann. Reden wir nicht drüber. Dann vielleicht in den Rock'nRollerCoaster? Also wer es mag, ist zufrieden. Aber mal ehrlich: der einzige wirklich echte Unterschied zu zig anderen Indoor-Achterbahnen ist die Musik von Aerosmith. Und auf die hätten wir eigentlich verzichten können.

Ein Blick auf das Faltblatt sagt uns, das die fehlenden Attraktionen erst wieder in 90 Minuten öffnen. Also mal das einzige Karussell angesehen. So was Ähnliches haben wir doch schon mal in anderer Dekoration vor vielen Jahren in Deutschland gesehen? Der Hunger meldet sich. Wir gehen in die grosse Halle neben der Achterbahn. Nett! Alles in Plastik und alles keimfrei sauber! Und zu Preisen, die den Familienvorstand weinen lassen. Doch was nutzt es? Die Natur verlangt nach Nahrung! Wir sitzen also und essen. Zugedröhnt auch hier von viel zu lauter Filmmusik. So langsam geht uns das alles auf den Keks! Wir verzichten auf die paar noch fehlenden Attraktionen und verlassen beinahe fluchtartig das Gelände. Endlich Ruhe. Der Schädel summt von stundenlanger Bedröhnung.

Wir besteigen die RER und versuchen ein Resümee zu ziehen. Offensichtlich ist der Filmpark noch nicht fertig. Vielleicht wird er ja noch spannender. Aber sicherlich nicht mit uns. Wir fanden: rausgeschmissenes Geld. Wir wären besser in den guten alten Themenpark gegangen. Dort hätten wir uns wenigstens den ganzen Tag lang amüsiert. Für dasselbe Geld. Mein lieber Freund: der Erwachsene zahlt in alter Währung beinahe 80 DM! Na, nun ist es zu spät! Ärgern wir uns nicht weiter und kehren wir zurück in die Stadt der Lichter.

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