Ihr lieben Wissensdurstigen! Es gibt ein paar Bereiche, die beim Thema Paris nicht fehlen sollten. Aber dennoch gibt es da so ein kleines Problem: sie haben etwas mit Sex zu tun. Aber wir sind ja erwachsen (wenn nicht: hier klicken!) und auch nicht so weltfremd, dass wir dem Thema käufliche Liebe nicht auch Gutes abgewinnen könnten, auch wenn wir selber diese Angebote nicht nutzen. Stellen Sie sich mal vor, es gäbe diese Form der Sexualität nicht. Aus wie vielen der Freier würden dann vielleicht, mangels dieser legalen Möglichkeit, Sexualstraftäter? Als dann! Für alle, die sich einfach nur mal informieren und für alle, die eventuell mal ein Angebot nutzen möchten, hier nun unser Kapitel

Paris intim

Paris, das wissen wir alle (tun aber so, als ob dies irgendwie nicht zur glorreichen Vergangenheit dieser Stadt gehören würde), ist auch historischer Inbegriff für ausserehelichen Geschlechtsverkehr. Na, geschockt? Natürlich nennen wir die geschichtlich belegten Damen nicht Prostituierte, sondern benutzen solche feinen Worte, wie Maitressen, Kurtisanen oder Konkubinen. Und plötzlich sind sie salonfähig. Wir lesen Balzac, schwärmen für Zola's Nana, zahlen Unsummen für Toulouse-Lautrec's Werke, kennen Damen, wie die Pompadour, Madame de Maintenon, Madame de Montespan oder Madame du Barry. Aber wenn es um die Neuzeit geht, dann sind wir peinlich berührt und kriminalisieren diese Damen mit durchaus ehrenwertem und wichtigem Beruf. Pfui, ihr kleinkarierten Spiessbürger! Die Freunde Paris' sind allerdings von anderem Format. Wir sind weltoffen und akzeptieren andere Menschen, so, wie sie eben sind. Also lasst uns darüber reden, ohne dämlich zu grinsen.

Die grösste Katastrophe, die Paris auf dem Gebiet des nächtlichen Amüsements traf, war zweifellos Madame Marthe Richard. Sie war eine Heldin der Résistance und nach dem Krieg eine der ersten weiblichen Abgeordneten. Und prüde. Also war ihre "berühmteste" Tat dann auch die Abschaffung aller Bordelle in Frankreich im Jahre 1946. Fast 1000, zum Teil berühmte Häuser, die von hohen Politikern, Fürsten und allen anderen Menschen, die sich in Paris amüsierten, besucht wurden, wurden geschlossen. Eine Ära, die Jahrhunderte das Nachtleben der Stadt bestimmte und ihr den Ruf der Stadt der Liebe gab (und immer noch gibt!!), ging zu Ende. Die Damen, die bis dahin, von den Bürgern akzeptiert und zum grossen Teil sogar geschätzt, relativ offen ihrem Beruf nachgingen, wurden in den Untergrund gedrängt. Sie landeten im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strasse. Hier nun, ganz anderen Gefahren ausgesetzt, war der Schutz eines Zuhälters unumgänglich. Dieser neue Beruf wurde bald von Kleinkriminellen in Besitz genommen, denen eine faire prozentuale Beteiligung an den Einnahmen der Damen nicht mehr reichte. Sie fingen schnell an, die Damen mit Gewalt in eine Form der Sklaverei zu treiben. Ausländerinnen wurden verstärkt ins Land gebracht, die man schon aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten viel tiefer in die Abhängigkeit zum Zuhälter treiben konnte. Liebe Marthe Richard! Sie haben Ihren Geschlechtsgenossinnen einen Bärendienst erwiesen!

Das fand auch die Politik, die etliche Jahre später die Prostitution in Frankreich erlaubte, jedoch Zuhälterei und, um die Damen und Herren der konservativen Seite nicht völlig vor den Kopf zu stossen, aktive Kundenwerbung und Exhibitionismus unter Strafe stellte. Letztere zwei Dinge werden in konservativ regierten Städten bis heute noch als Vorwand genommen, Prostituierte und ihre Freier zu bestrafen. So wird dann schon das Stehen der Damen an der Strasse als aktive Kundenwerbung gewertet und die Frage der potentiellen Kunden nach den Geschäftsbedingungen als Exhibitionismus ausgelegt. Armes Frankreich. Zum Glück wird das Geschäft mit der körperlichen Liebe in Paris zwar nicht unterstützt, aber toleriert und als natürlich hingenommen. Etwa 10.000 Prostituierte gehen in Paris ihrem Job nach, zwei Drittel davon sind Ausländerinnen. Inzwischen gibt es selbstverständlich noch immer keine offiziellen Bordelle, aber immerhin unzählige Privatclubs jeglicher Couleur, die auch problemlos in Veranstaltungsheften (siehe auch Pariscope, Kapitel: Paris la Nuit) für sich werben. Vor allem in und um Pigalle gibt es viele kleine Bars, die als Kontakthöfe dienen. Und ausgedehnte Flächen in nahezu allen Stadtteilen werden nicht nur in der Nacht zum Strassenstrich umfunktioniert.

Der berühmteste Strassenstrich ist natürlich Pigalle und die Strassen drumrum. Aber auch, wenn die ganze Welt ihn kennt: es ist nichts los, bis auf den üblichen Touristennepp. Knallvoll des Nachts ist hingegen der Bois de Boulogne. Hier treffen sich vor allem Transvestiten mit ihren Kunden. Der abgelegene Ort und die Dunkelheit begünstigen allerdings auch immer wieder Straftaten in Verbindung mit der Prostitution. Der Bois de Vincennes, auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt, ist da von anderem Kaliber. Hier und rundherum findet man kleine Vans, oft durch eine rote Lampe gekennzeichnet, in denen die Damen der Branche ihre Dienste anbieten. Wie man hört, ist es hier bedeutend kundenfreundlicher und sicherer. Zum Teil sehr junge Mädchen bieten sich zwischen der Place de la Nation, den Cours de Vincennes hinauf bis zur Auffahrt auf die Péripherique an. Doch hier ist, laut der Pariser Polizei, grosse Vorsicht geboten. Da viele der Damen dort rauschgiftabhängig sind, sind sie auch bereit, auf sämtliche Vorsichtsmassnahmen zu verzichten! Krankheiten sind Tür und Tor geöffnet! Sehr stilvoll, teuer gekleidet und ausgesprochen elegant sind die Damen, die in ihrem eigenen Auto die Champs Elysées hin und herfahren und sich ihre Kunden selber auswählen. Ebensolche Damen findet man auch, hier zum Teil auch wieder zu Fuss, in der Avenue Foch und in der Avenue Victor Hugo. Da wir uns hier im vornehmsten Pariser Arrondissement, dem 16., befinden, sind die Preisvorstellungen entsprechend. Ähnlich stilvoll und teuer geht es auch rund um die Madeleine zu. Sehr viel preiswerter geht es zu auf den Boulevards Marcheaux, die Boulevards, die parallel zur Péripherique auf der Stadtseite verlaufen. Ausgesprochen viel los ist im nordöstlichen Teil der Boulevards, vor allem auf den Boul's MacDonald (Porte de la Villette) und Ney (Porte de la Chapelle).

Einen Strassenzug haben wir unerwähnt gelassen. Es handelt sich um die Rue St. Denis, vor allem zwischen Marché St. Quen und dem Triumphbogen von St. Denis. Diese prostitutionsgeschichtlich schon als historisch zu bezeichnende Strasse ist noch immer, Tag und Nacht, beliebter Strassenstrich. Und hier findet man ein ganz besonderes Flair, das zu geniessen ich allen Parisbesuchern, ob Kunden oder nicht, anrate. Die Rue St. Denis ist eine alte, enge, Altpariser Wohn- und Einkaufsstrasse. Viele Kleiderproduzenten residieren hier und natürlich unzählige Läden und Bistros. Dazwischen stehen die Damen in den Hauseingängen und den Seitengassen. Alles geht hier vollkommen natürlich miteinander um. Man redet miteinander, grüsst sich und lächelt sich an. Ein Tipp für Touristen, die mit Partner oder Partnerin in Paris sind. Was ja eigentlich auch Grundvoraussetzung für einen schönen Parisaufenthalt ist. Schlendern Sie durch die Strassen, lächeln Sie die Damen an und grüssen Sie freundlich. Kaum eine Dame, die nicht ebenso freundlich zurückgrüsst und hier und da ein lächelndes "Ca va?" hinzufügt. Wenn Ihre Begleitung nicht wirklich Vertrauen zu Ihnen hat, dann wird irgendwann, nachdem schon einige stirnrunzelnde Seitenblicke vorangegangen sind, ziemlich ernst und verunsichert die Frage kommen: "Sag mal, wie oft warst Du eigentlich schon ohne mich in Paris?" Ihre Antwort? Die geht mich nun wirklich nichts mehr an!

Na, hat er Ihnen Spass gemacht, unser kleiner Ausflug in das sündige Paris? Das ist schön! Aber jetzt geht es trotzdem hier wieder zurück auf die Hauptseite.