Wir haben schon ein paar Mal darauf hingewiesen, dass es durchaus auch mal regnen kann in Paris, hier nun noch ein paar Alternativen für Schlechtwetteraufenthalte. Es gibt weltbekannte, über die man nicht gross reden muss. Nicht minder sehenswert sind aber auch

 Unbekannte Museen

1. La Musée des Arts Forains

Dieses Museum erfordert Planung, denn es hat keine regulären Öffnungszeiten. Telefonische Anmeldung ist also erforderlich. Haben wir das erledigt, kann es losgehen! Schon die Fahrt wird zum Erlebnis. Und damit wir auch was davon haben, starten wir in der Métrostation Madeleine. Wir suchen die Linie 14 Richtung Bibliothèque Nationale. Die Tunnel werden immer moderner. Tatsächlich: die Linie 14 heisst Météor und ist die modernste Métrolinie Europas. Glas und Edelstahl bestimmen den Bahnsteig. Und die Bahn selber hat modernste Stromlinienform. Und vor allem: sie hat keinen Fahrer! Den braucht sie nicht, denn sie wird über ein Computersystem gesteuert. Setzen Sie sich ganz vorn hin, wenn Platz ist und fühlen Sie sich wie ein Métrolokführer! Die Station, an der wir die Métro verlassen müssen, kommt leider viel zu früh: Cour St. Émilion.

Zunächst durchqueren wir das Village de Bercy, nach altem Vorbild gebaute Weinlagerhäuser, die vor Jahrzehnten das ganze Quartier ausmachten und heute eine Einkaufszone sind. Das schauen wir uns auf dem Rückweg an. Jetzt geht es erst einmal quer durch. Dahinter stehen wir plötzlich inmitten hässlicher Hochhäuser. Hilft nichts! Über die Strasse rüber und mitten rein. Ein paar Schritte weiter öffnet sich links ein Durchgang. Wir benutzen ihn und stehen plötzlich vor echten alten Lagerhäusern. Ein Pferd am Giebel lässt uns schon ahnen, dass wir dem Museum nahe sind. Tatsächlich brauchen wir nur noch, den Zaun immer links von uns, ein Mal links um die Ecke und stehen vor dem Haupteingang. Und jetzt ist es klar, worum es geht bei diesem einzigartigen Museum: Schaustellerei der vergangenen Zeiten. Zugegeben: man muss schon ein Fan dieser herrlichen Spielart der Kultur sein. Dann wird der Mund vor Staunen sich kaum noch schliessen. Kann es sein, dass die alten Jahrmärkte unserer Vorfahren wirklich so viel schöner waren, wie die modernen? Und dieses riesige Karussell, dass die Mitfahrer selber mittels Tretantrieb vorwärts treiben mussten, warum ist es verschwunden von unseren Volksfesten? Da kann doch eine vollelektronische Loopingbahn wirklich nicht mithalten!

Nach dem Besuch des Musée des Arts Forains, entstanden aus einer Privatsammlung, heute betrieben und ständig erweitert von einem Liebhaberverein, geht es zurück zum Village de Bercy. Gönnen Sie sich eine kulinarische Pause und stromern Sie durch die Geschäfte. Nur so ganz preiswert ist es hier nicht. Das Village ist inzwischen branché, also ein Anziehungspunkt für die Menschen, die von sich selber behaupten, immer am Puls der Zeit zu sein. Später geht es dann zurück in die Stadtmitte per Météor. Und Sie hatten einen tollen Tag so zwischen Technik von Morgen und Spass von Vorgestern.

Mehr Infos? Hier klicken: http://www.pavillons-de- bercy.com/index3.html?f.gauche.html&artsforains/f.artsforains1.html&artsforains/index.html

2. Le Pavillon de l'Arsenal

Ganz in der Nähe des südöstlichen Endes der Île St. Louis, rive droite, liegt die Rue de Sully und der Boulevard Morland. Deshalb heissen Métro- und Bushaltestellen auch Sully-Morland. Und genau dort, am Rande der Place du Père Teilhard de Chardin (ich kann nichts für diesen Namen!) liegt der Pavillon de l'Arsenal. Eine  alte Halle erbaut von Hector Guimart (ja ja ja! Derselbe, der auch les Halles erbaute!) beherbergt eine Mischung aus Museum, Infopavillon und Selbstbeweihräucherungstempel zum Thema urbaner Architektur am Beispiel Paris. Nicht verstanden? Ich auch nicht! Noch mal: Sie finden hier eine Dauerausstellung mit immer mal aktuellen Nebenexpostionen zum Thema Bauwerke in Paris. Jau, nu haben wir das kapiert! Sie wandeln durch Modelle, Dioramen und grossflächige Abbildungen und schauen sich Paris von Vorgestern bis Übermorgen an.

Soll ich mal ganz ehrlich sein: Die modernen Architekten sollte man alle in einen Sack stecken, zubinden und ab in die Seine mit dem Schrott! Es ist schlimm, wie diese lebensunkundigen Uniabgänger sich bemühen, jeder noch so schönen Stadt ihr Gesicht und ihren Charme zu rauben! Wenn wir sie lassen würden, wie sie wollen wollten, kann man in ein paar Jahren keine Stadt mehr von der anderen unterscheiden! Zum Glück haben sich die Pariser besonnen und stecken mehr Geld in die Restaurierung alter Schönheiten (ich meine Bauwerke, Mensch!) als in den Neubau glasmetallener Ekelmonster. Ach ja, so eine Schwachsinnigkeit können Sie besichtigen: die Bibliothèque Nationale Francois Mitterand. So heisst auch die Endstation der M° 14. Sie sehen dann vier Hochhäuser, die jeweils ein aufgeschlagenes hochkant stehendes Buch versinnbildlichen sollen. Das allein ist schon hässlich. Aber dann entdecken Sie die Fenster, die alle irgendwie wie ein Pennerhotel aussehen. Des Rätsels Lösung: Man stellte fest, dass das einfallende Licht die Bücher beschädigte und hämmerte mangels besserer Lösungen einfach Bretter vor die Fenster. Noch irgendwelche Fragen?

Abschliessend aber auch mal Versöhnliches: Es gibt auch tolle Einfälle von den Menschen, die sich leichtfertig Architekten nennen: Die Glaspyramiden des Louvre, die ihre Schönheit vor allem nach Einbruch der Dunkelheit zeigen. Und vor allem wahre Meisterstücke, die kaum jemand bemerkt. Das beste Beispiel sehen Sie an der Kreuzung Boulevard St. Michel/ Boulevard St. Germain. Dort finden Sie ein Eckhaus (wenn sie, die Seine im Rücken, auf der linken Seite des Boul' Mich' stehend, einfach das Eckhaus auf der anderen Strassenseite des Boul' St. Germain betrachten), das eine tolle Wandlung hinter sich hat. Der ganze Block wurde total abgerissen - bis auf die Fassade. Hinter dieser wurde ein mit allen Schikanen ausgerüstetes Wohn-/Geschäftshaus errichtet, das keine Wünsche offen lässt. Doch! Den Wunsch, hier eine Wohnung bezahlen zu können - aber das ist ein anderes Thema! Unsere Meinung: eine architektonische Spitzenleistung, die das Stadtbild nicht verändert, sondern Schönes erhält und verbessert!

Zu diesen Themen können Sie sich also kostenlos im Pavillon de l'Arsenal informieren. Ausserdem können Sie -ebenfalls kostenlos- täglich Zeitungen aus ganz Europa studieren! (Unser Tipp für Sparsame)

Mehr Infos? Hier klicken: http://www.pavillon-arsenal.com/

3. Musée du Vin

Verlassen Sie die Métro am Trocadéro, werfen Sie einen Blick auf den Tour Eiffel, wandern einmal kurz über den wirklich hübschen, aber dennoch typischen Friedhof Passy (nicht vergessen, Herrn Renaud einen freundlichen Besuch abzustatten und natürlich dem unvergessenen Fernandel). Dann gehen Sie weiter die Rue Benjamin Franklin immer am Abhang lang. Gerade über den kleinen Platz überweg in die Rue Raynouard. Und dann Augen auf! Auf der linken Seite ist etwas Platz zwischen den Häusern. Und eine endlos lange Treppe führt nach unten ins Nichts. Diese Treppe ist eine Straße. Die Rue de l'Eau. Die gehen wir runter. Am Ende ein paar Meter links neben der Straße ist ein Haus, das hinten scheinbar in den Abhang gebaut ist. Nix scheinbar! Die Hälfte des Hauses liegt wirklich im Berg! Goldene Lettern künden an: Musée du Vin. Rein mit uns! Für ein paar Euro dürfen wir direkt von dem Haus in einen Teil der unterirdischen Steinbrüche wandern, die ganz Paris durchziehen. Dieser Teil ist ein ehemaliger Weinkeller, der nun Museum ist. Szenen mit Wachsfiguren erzählen uns von der traditionellen Weinherstellung. Viel authentisches Gerät von Küfern, Weinbauern und Kellermeistern lässt uns ahnen, dass viel Arbeit liegt zwischen dem Weinberg und unserem Glas Wein. Wenn nicht gerade eine Touristengruppe auf der Etappe "Weinherstellung in fünf Minuten" ist, ist dieses Museum ein stiller Ort, der uns fast allein gehört. Am Ende werden wir eingeladen, eine Weinprobe zu machen. Wählen Sie aus rot, rosé oder weiss. Ein Gläschen ist im Preis enthalten. À votre Santé!

Oder wie der Franzose sagt: Tchin tchin!

Na, leicht angeheitert? Oder blau? (Der Franzose sagt dann zu blau (besoffen) noir, welches schwarz heisst). Die Welt ist schon komisch! Hicks!

Mehr Infos? Hier klicken: http://www.museeduvinparis.com/indexgb.htm

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