Neue Spaziergänge durch Paris

Eines ist mal klar: Wenn Sie Paris wirklich erleben wollen, dann brauchen Sie anständige Schuhe. Nur wer durch die Quartiers stromert, sieht die vielen Kleinigkeiten, die diese Stadt so einmalig machen! Also Schuhe an und kommen Sie einfach mit!

Spaziergang 1: Grands Boulevards - Montmartre

Beginnen Sie den Spaziergang zwischen 16 und 17 Uhr. Verlassen Sie die Métro an der Station Grands Boulevards. (Das sollte Ihnen etwas sagen! Oder haben Sie etwa das Kapitel "Specialsightseeing" (links in der blauen Leiste) nicht gelesen?). Aber wir verlassen das mondäne Paris sofort und tauchen ein in die Welt der liebenswerten "kleinen" Pariser, die jeden Tag für ihr Baguette kämpfen müssen. Wir gehen bergauf in die Rue du Faubourg Montmartre. Sofort sind wir umgeben von Menschen, die ihre Klamotten nicht in der Rue du Faubourg St. Honoré kaufen, sondern fast (aber eben nur fast) gleiche Kleidung in Clignancourt erhandeln. Auf jedem Schritt sehen wir einen anderen Laden, ein anderes Bistro. Und alle haben diese Patina, die das Leben den Dingen verleiht, die heiss geliebt und oft gebraucht werden. Schon nach ein paar Schritten auf der linken Strassenseite liegt etwas zurückversetzt ein wunderschönes, sehr preiswertes und legendäres Fin-de-Siècle-Restaurant mit Namen Chartier. Schauen Sie mal rein! Sollten Sie in dieser riesigen Halle, die dennoch Gemütlichkeit ausstrahlt, gerade einen freien Tisch erspähen, dann gehen Sie rein! So schnell bekommen Sie dort nie wieder einen Platz! Nehmen Sie das Tagesgericht! Egal, was es ist: es schmeckt!

Auch wenn das Bäuchlein kugelrund ist: nach dem Essen ist ein ausgedehnter Spaziergang ohnehin gut! Es geht also weiter leicht bergauf. Bald treffen wir auf die Rue Richer, die rechts ab geht. Gehen Sie mal 150 Meter rein. Auf der linken Strassenseite stehen Sie dann vor dem berühmten Revuetheater Follies Bèrgère. Ein schüchterner Blick durch die Glastüren lässt Sie erahnen, das hier die Zeit seit der Jahrhundertwende einfach stehen geblieben ist. Na los! Kaufen Sie schon eine Eintrittskarte für einen der nächsten Abende! Sie werden es nicht bereuen! Näheres dazu im Bericht Shows und Attraktionen 2002! Nun aber schnell zurück zur Rue du Faubourg Montmartre. Die Straße wird zur Rue Notre Dames de  Lorette. Die kleine Kreuzung an der die Strasse ihren Namen wechselt, eignet sich hervorragend für einen Kaffee. Setzen Sie sich und schauen Sie den Menschen zu. Kurz dahinter gehen Sie dann weiter etwas rechts in die Rue des Martyrs. Kaum zu glauben, aber das geschäftige Leben geht auch hier weiter. Ein Geschäft nach dem anderen! Und obwohl es so ausschaut: nichts ist Kulisse! Alles ist echt! Und die Rue des Martyrs strahlt alles andere aus als Märtyrertum, denn das bedeutet ihr Name ja eigentlich. In Wirklichkeit hat dieser Name mit dem Ziel dieser Strasse zu tun. Sie führt nämlich zum Berg der Martyrien, zum Mont Martyrs. Nur heisst der inzwischen, durch den Volksmund leicht verändert, Montmartre. Die Sage erzählt, daß der Heilige Dionysos auf eben diesem Berg geköpft wurde und ohne Haupt dann noch gut 6 Kilometer wanderte, bis er zusammenbrach. Und dieser Ort ist der Platz auf dem heute die Kathedrale von St. Denis steht. Und St. Denis heisst nichts anderes wie - na was schon? - richtig!: Heiliger Dionysos!

Irgendwann erreichen wir den Boulevard de Clichy. Wir gehen den Boul' rechts weiter, über die Place Pigalle, werfen einen Blick auf das Moulin Rouge und auf die Fotos der sündigen Theater rundum. Nur schauen! Gegessen wird zuhause! Ausserdem können wir Nepp auch woanders haben, gell? An der Place Blanche geht es rechts rein in die Rue Lepic, eine der steilsten Strassen der Stadt. Wieder sind wir in einer Strasse voller Leben. Ein Laden neben dem nächsten. Dennoch sind die Menschen hier etwas anders, als in den kleinen Strassen auf der anderen Seite des Boulevard Clichy. Hatten wir vorhin noch das Gefühl, inmitten des Pariser Kleinbürgertums zu sein, dann tauchen wir nun ein in die Nachfahren der Bohème. Künstler, Bordsteinschwalben, Transvestiten und natürlich viele echte Montmartriens, die dies auch stolz, aber nicht eingebildet, zeigen. Leider gibt es auch mehr und mehr Bewohner, die der schicken Generation angehören: aufgestylt, mit polierten Autos, hypermodernen (von Innenarchitekten ausgestatteten, da sie selber ausser Kohle nicht viel im Kopfe haben) Wohnungen, die Studios oder besser noch Atelier oder Loft heissen. Hach wie schön muss die Zeit gewesen sein, als dort die armen Leute, die Künstler und die kleinen Ganoven lebten! Aber wie gesagt: ein wenig davon spürt man noch.

Verpassen Sie bloss nicht auf der linken Strassenseite, noch ziemlich zu Beginn der Rue Lepic, ein legendäres Café: "Les deux Moulins"! Trinken Sie was und träumen Sie von der reizenden Amélie, die hier in ihrer fantastischen Welt die Liebe entdeckte und eine halbe Welt bezauberte! So, nun sind Sie in der richtigen Stimmung, allein weiter zu gehen. Einfach bergauf bis zu den Stufen von Sacre Coeur. Inzwischen ist es dunkel und die Stadt mit ihrem Lichterglanz liegt Ihnen zu Füssen. Sie können nicht anders: Sie nehmen Ihren Partner, mit dem Sie den ganzen Weg zusammen machten, in den Arm und küssen ihn ganz zart. Tun Sie es ruhig. Wir sitzen hinter der anderen Säule und sehen es nicht! Wir machen dasselbe! Und die beiden, die dann später ein paar Meter vor Ihnen Arm in Arm zum nächsten Bistro auf ein Glas Wein vorausgehen, das sind wir. Treffen wir uns gleich? Bon! À bientôt!

Spaziergang 2: Vom Place de la République bis zum Père Lachaise.

Machen Sie diesen Spaziergang Dienstags oder Freitags am Vormittag (WICHTIG!). Wir steigen aus der Métro an der Station République. Wir gehen leicht bergauf in die Rue du Faubourg du Temple. Auch wenn es immer nur geradeaus geht - diese Strasse sollten Sie jeden Meter geniessen. Scheuen Sie sich nicht, alle paar Schritte die Strasse zu überqueren, damit Sie nichts verpassen. Und schauen Sie auch die Häuser genau an. Hier müssen früher einmal recht wohlhabende Menschen gewohnt haben. Nun ist es eine Strasse für die, die jeden Euro umdrehen müssen. Ganz besonders einige Seitenstrassen zeugen davon, dass diese Strasse Hauptstrasse eines Vorortes war, als sie gebaut wurde.

Viele ausländische Geschäfte bieten Exotisches und traumhaft Preiswertes an. Na, soooo teuer ist Paris gar nicht! Man muss nur wissen, wo man einkauft! Die Strasse wird immer chinesischer. Kunststück! Wir nähern uns Belleville, dem alten Chinesenviertel (das Neue ist hinter der Place Italie). Es geht dann rechts rein in den Boulevard Belleville. Sie sehen schon, was jetzt kommt! Der wohl exotischte Wochenmarkt der Stadt. Stopp!!! Vorher alle Wertsachen sichern! So ein Menschengewühl haben Sie noch nie erlebt! Und wo so viel los ist, da sind auch böse Buben! Und nicht minder böse Mädchen! Alles klar? Dann rein ins Gewühl! Keine Panik! Die Händler, die Sie anbrüllen, wollen nichts Unredliches. Sie preisen nur die Ware an. Und das tun sie in einer Weise, dass auch Taube hören können, worum es geht: "Un Euro, les deux melons! Un Euro, les deux!" - "Les tomates exceptionelles! Le Kilo un Euro, Monsieurdames! Allez! C'est ici les tomates les moins chères!" Tatsächlich! Es reicht, eine Hosentasche voll 1-Euro-Stücke dabei zu haben. Denn alle Angebote kosten hier tatsächlich nicht mehr! Sie werden Früchte sehen, die Sie noch nie vorher live gesehen haben. Und kosten Sie ruhig mal. Überall werden Geschmacksproben angeboten. Irgendwann werden Sie sich fragen, ob dieser Markt auch mal aufhört. In diesem Moment haben Sie etwa die Hälfte geschafft! Also weiter geht's! Doch dann ist er plötzlich doch zu Ende. Sie gehen den Boulevard weiter und geniessen die Ruhe. Herrlich, mal ein wenig Platz um sich zu haben! Heee! Was ist das? Das kann doch nicht schon wieder...? Doch! Ist es! Der nächste Markt. Der von Ménilmontant. Zum Glück etwas weniger voll und etwas kürzer. Dafür mit deutlich anderen Waren und auch leicht teurer. Die Klamotten, die zwischendurch angeboten werden, sind zum Teil aber auch wirklich Schnäppchen! Also greifen Sie zu.

Nach dem Markt von Ménilmontant gehen Sie auf der linken Strassenseite weiter. Vergessen Sie nicht, irgendwo einzukehren. Die Preise sind sehr niedrig, das Essen gut (aber die Toiletten französisch!!!). Die Mauer neben Ihnen ist die Umfriedung des berühmtesten Friedhofes der Stadt. Père Lachaise. Versäumen Sie nicht diesen wunderschönen und leicht gruselig-maroden Gottesacker zu besuchen! Erweisen Sie mindestens Édith Piaf die Ehre! Am Eingang in den Blumenläden gibt es umfangreiche Führer, die Sie auf berühmte Gräber hinweisen.

Na, genug gelaufen? Ihre Füsse brennen wie Feuer? Selber Schuld! Entweder falsches Schuhwerk oder zu wenig Pausen. Mon Dieu! Wir hatten doch gewarnt! Na gut, dann dürfen Sie jetzt zurück ins Hotel. Machen Sie eine Sièsta. Und dann wieder los am späten Nachmittag bis in die tiefe Nacht hinein! Das ist genau das Richtige! Dormez-bien, les amies!

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