BLOSS NICHT !

Es gibt ein paar Dinge, die Sie tunlichst unterlassen sollten, wenn Sie in Paris sind. Einerseits, um nicht unnötig dumm aufzufallen, andererseits, um nicht in Gefahr zu geraten. Auch sollte man natürlich bestimmte Dinge nicht tun, die unnötig Geld kosten. Wir schreiben einfach mal auf, was uns dazu so einfällt.

- Versuchen Sie nie, einen Pariser zu überreden, dass er Sie zu sich nach Hause einlädt! Obwohl eher die Engländer dafür bekannt sind, trifft das Sprichwort "My home is my castle" noch viel mehr auf Franzosen zu. Pariser versuchen alles, Fremde von ihrer Wohnung fernzuhalten. Dagegen ist das Treffen in einem Café oder Restaurant ein guter alter Brauch. Wenn Sie ein guter Beobachter sind, dann bemerken Sie manchmal, dass sogar der gute alte Versicherungsvertreter, der unsereins immer zu unpassender Zeit in der Wohnung überfällt, in Paris einen Termin abspricht in einem Café oder Bistro in der Nähe der Wohnung des Kunden. In aller Öffentlichkeit werden dann Policen ausgehandelt und Papiere gewälzt.

- Benutzen Sie die Metro am späteren Abend nur innerhalb der Stadtgrenzen. Meiden Sie leere Wagen und wählen Sie am besten den ersten Wagen. Sollten Sie dennoch überfallen werden, bleiben Sie ruhig, wehren Sie sich nicht und tun Sie, was der Kriminelle von Ihnen verlangt. Alles andere ist besser als tot! Wenden Sie sich in der nächsten Station an die Bediensteten (bis Dienstschluss sind die Billett-Schalter besetzt) und tun Sie, was Ihnen dort geraten wird.

- Geben Sie auf Flohmärkten nie den geforderten Preis! Bieten Sie wenigstens ein paar Euro weniger. Das ist auch in Paris normal!

- Lassen Sie sich in Fressmeilen nicht von den Anreissern ins Lokal reinreden! Wählen Sie sich das Restaurant nach dem Angebot, dass draussen zu lesen ist, aus. Haben Sie dennoch ein schwarzes Schaf erwischt, dann erkennen Sie es daran, dass Ihnen im Lokal die Karte mit den preisgünstigen Menues nicht gegeben wird. Bitten Sie ausdrücklich darum. Es könnte ja auch eine Nachlässigkeit des Obers sein. Kommt sie auch dann nicht oder will man Sie zum Essen à la Carte überreden, dann verabschieden Sie sich freundlich und gehen Sie.

- Kaufen Sie Metrokarten nur am Schalter der Station oder an den Automaten der RATP.  Oft werden Karten zu günstigeren Preisen an den Treppen angeboten. Diese sind in der Regel ge- oder verfälscht. Werden Sie damit erwischt, gibt es Ärger! Manchmal funktionieren sie aber von vornherein nicht. Und das ist auch ärgerlich!

- Am Abend, oft nach Veranstaltungen, die nicht direkt im Stadtkern stattfanden, aber auch auf Flohmärkten, bieten Nordafrikaner Gegrilltes vom lodernden Holzkohlengrill an. Duftet gut bis verbrannt und ist nicht zu empfehlen, da oft die Hygiene arg zu wünschen übrig lässt. Sie wollen doch nicht für den Rest Ihres Aufenthaltes leichenblass, schweissgeperlt, fiebergeschüttelt, bauchgeschmerzt und kotzgeübelt auf dem Hotelzimmer verbringen?

- Vermeiden Sie Gesprächsversuche mit Franzosen über persönliche und private Dinge, es sei denn, es handelt sich um enge Freunde. Franzosen halten sich sehr bedeckt, was die Intimsphäre angeht und letztere umfasst bei den Mesdames und Monsieurs der Grande Nation eigentlich alles, was mit ihnen selber und der Familie zu tun hat. Ebenso empfindlich reagieren Sie, wenn der Mensch gegenüber zu sehr aus seinem eigenen Privatleben plaudert. Peinliche Stille und kurze - sehr kurze - Reaktionen sind die Folge. Pflegen Sie statt dessen Konversation, d.h. plaudern Sie über "GottunddieWelt" - eben nur nicht über sich selber und ihr Gegenüber.

- Vermeiden Sie auch Themen aus dem Bereich Drittes Reich. Die Pariser haben einerseits sehr gelitten unter der Besetzung, andererseits gibt es nachgewiesenermassen extrem viele hommes et femmes des affaires, die noch heute von den Gewinnen profitieren. Man tut so, als hätte es nur wenige Collaborateurs gegeben und alle diese bösen Mitfranzosen seien nach dem Krieg bestraft und ihres Gewinnes entledigt worden. Französische Historiker selber haben inzwischen das Gegenteil bewiesen. Aber es gibt Missstimmung, wenn ausgerechnet ein Deutscher davon spricht!

- Wenn Sie von einem Gesichtskontrolleur einer Disco abgewiesen werden, dann akzeptieren Sie es. In Frankreich kann es schon mal passieren, dass etwas heftiger auf renitente Abgewiesene reagiert wird. Wechselns Sie statt dessen Ihr Outfit - je schriller, desto besser! Dann stehen die Chancen gut, beim zweiten Versuch durchzukommen.

- Parken Sie nie -nie!- auf Busspuren! Wenn Sie einen Bus behindern durch Falschparkerei, dann wir Ihr Wagen blitzschnell abgeschleppt und die Geldstrafe dafür ist extrem! Leicht kann der gesamte Urlaubsetat dafür draufgehen! Wenn es doch passiert, dann melden Sie sich schnell bei der Polizei. Diskutieren Sie nicht - zahlen Sie! Und sehen Sie zu, dass Sie Ihr Auto schnell wiederbekommen, denn manchmal werden die Fahrzeuge an Orte verbracht, wo sie garantiert schon in der ersten Nacht aufgebrochen werden. Dann wird es noch teurer.

- Schon mal was von "la Gloire" gehört? Gloire bedeutet hier "Ruhm". Und alles, was mit Frankreich zusammenhängt, ist - zumindest nach Auffassung der Franzosen - von Gloire durchflutet. Man ist eben stolz auf sein Land und alles, was es hervorgebracht hat. Und sollte dies mal nicht so gloriös gewesen sein, dann wird die Geschichte eben ein wenig gebeugt, bis la Gloire wieder reinpasst. Warum wir das erzählen? Nun, weil Sie es unter allen Umständen vermeiden sollten, in Anwesenheit von Franzosen, Frankreich, die Franzosen, die Geschichte und überhaupt alles, was mit Frankreich zusammenhängt, zu kritisieren. Auch wenn Franzosen sich in Ihrer Anwesenheit über die aktuelle Politik mehr als nur das Maul zerreissen (das ist ein beliebter Zeitvertreib), dann hören Sie zu, stellen vielleicht mal eine Verständnisfrage, aber nehmen um Gottes Willen nie eine bestimmte Position ein. Das ist eine Totsünde und wird im humansten Falle mit Nichtbeachtung bestraft.