FORTBEWEGEN MIT DER METRO

Die Metro ist der Klassiker in Paris. Sie ist einfach schön, schnell und für Liebhaber von Schienenfahrzeugen ein Traum. Wer mehr erfahren will über die Geschichte der Metro, der darf die ständige Ausstellung im Maison de la RATP (so heisst die Firma, die Metros und Busse in Paris betreibt) nicht verpassen! Quai de la Rapée, M° Quais de la Rapée oder Gare de Lyon.

Bei der Gelegenheit: Wir lüften jetzt das Geheimnis um die mysteriöse Abkürzung RATP. "Régie autonome des transports parisiens". Da das eklig lang ist, brechen sich die Franzosen lieber die Zunge und verwenden nur die Abkürzung. Vor 1900 gab es die in den Malet-Krimis immer wieder auftauchende Ringbahn. Eine Eisenbahnlinie, die die Vorörtler nach Paris brachte. Aber die Metro ist viel einfacher und bequemer. Klar! Man hat sich ja auch Mühe gegeben. War sie doch das Prunkstück zur Weltausstellung 1900!

Und schon sind wir mittendrin in unserer Gebrauchsanweisung. "" mit nachfolgendem Strassennamen bezeichnet immer die Station der Metro, an der Ihr Ziel liegt. Sie finden dieses M° überall: Plakate, Anzeigen, Reiseführer usw. Und hier natürlich auch. Somit vermutet der geneigte Leser auch schon, dass die Nummer einer Linie nicht gebraucht wird. Stimmt! Obwohl die Linien von 1-14 durchnummeriert sind, braucht kein Mensch diese Nummern. Wichtig für das Finden Ihres Zieles sind:

- Endstation der Linie in der Richtung, in der Sie sie benutzen möchten
- Name des Zielbahnhofes
- Name der Umsteigebahnhöfe

Diese Informationen reichen völlig aus, um sich zurecht zu finden. Sie sind überall gut sichtbar ausgeschildert.

Um diese Informationen aber erst einmal zu bekommen, brauchen Sie einen Metroplan. Kein Problem! Der hängt x-fach an und in jeder Metrostation aus, ist Bestandteil jedes Reiseführers und ist noch dazu erhältlich als Faltblatt an jedem Fahrkartenschalter (für umsonst!). Bitten Sie gleich um den kombinierten Linienplan Bus/Metro! Auch die RER-Linien sind dann darauf eingezeichnet.

So, wo wir schon mal wissen, wo wir hinwollen und wie wir hinkommen, brauchen wir nur noch eine Metrostation und Fahrkarten. Es gibt keinen Punkt innerhalb von Paris, der weiter als 500 Meter von einer Metrostation entfernt liegt. Super, was? Wer keinen Stadtplan zur Hand hat, geht zur nächsten Hauptstrasse und hält Ausschau nach der nächsten grossen Kreuzung. Fast immer finden Sie dort eine Treppe, entweder beschildert mit "M" oder "Metro" oder "Metropolitain". Steht über der Treppe "Acces munis aux billets", sollten Sie nur dann hinuntergehen, wenn Sie eine Fahrkarte haben. Denn im Bereich dieser Zugänge gibt es keine Fahrkartenschalter. Brauchen Sie erst noch Karten, dann wählen Sie die nächste Treppe (meist gegenüber auf der anderen Seite der Kreuzung).

Jetzt streben Sie also dem Fahrkartenschalter zu und haben die Qual der Wahl:
 - Einzelfahrschein
 - Zehnerpackung (Carnet)

 - Tageskarte Mobilis oder Ticket Jeunes, die billige Tageskarte für Menschen unter 26 Jahren nur an Sams-, Sonn- und Feiertagen.
 - Paris-Visite, die Mehrtageskarte für Touristen, die gleichzeitig für viele Museen und Monumente Verbilligungen einräumt.
 - Carte Orange, die Wochen- oder Monatskarte, gültig vom Montag bis Sonntag bzw. für den Kalendermonat. Hier brauchen Sie zunächst einen Ausweis und für diesen ein Passbild (kann ruhig ein wenig älter oder bereits gebraucht sein). Automaten für Passbilder finden Sie in den großen Umsteigebahnhöfen, z.B. Châtelet. Sie erhalten dann den orangen Ausweis (deshalb Carte Orange) und einen Fahrschein. Der sieht aus, wie alle Fahrscheine auch - ist er aber nicht. Er kann für die Dauer seiner Gültigkeit immer wieder benutzt werden! Also gut aufbewahren!

Metrokarten gelten ebenfalls für die Buslinien und die Zahnradbahn.
In der Metro gilt Ihre Fahrkarte am Lösungstage so lange, bis Sie den eigentlichen Bahnhofsbereich verlassen. Sie können also theoretisch von ca. 5.30 Uhr bis ca. 1.00 Uhr mit einer Fahrkarte kreuz und quer durch Paris fahren. Und wird es kompliziert: eine im Bus gekaufte Fahrkarte ist für eine Busfahrt mit einer Linie ohne Umstieg gültig. Steigen Sie in eine andere Linie um, dann brauchen Sie auch eine neue Fahrkarte! Haben Sie ein Ticket t+ dabei, also eine am Schalter der Metro/RER gekaufte Einzelfahrkarte oder Carnetfahrkarte, dann können Sie mit diesem Ticket innerhalb von 1,5 Stunden beliebig oft zwischen verschiedenen Bussen oder zwischen Bus und Tram wechseln. Bei jedem Umsteigen muss das Ticket neu entwertet werden. In der Zahnradbahn brauchen Sie eine Karte pro Fahrt.

Achtung! Mehrtageskarten, Wochen- und Monatskarten werden in der Metro wie eine normale Fahrkarte benutzt. Nicht jedoch im Bus! Dort wird die Karte nur gezeigt, aber nie und nimmer in den Kartenentwerter gesteckt!!! Der ist nur für Einzelfahrscheine gedacht!!!

Welche Fahrkarten Sie wählen, hängt von der Dauer Ihres Aufenthaltes ab und der geplanten Häufigkeit der Nutzung von Metro und Bus. Wir raten Ihnen, zumindest immer ein Carnet zu kaufen. Ist pro Fahrt deutlich billiger als die Einzelfahrt. Ab drei Tagen Aufenthalt empfiehlt sich Paris-Visite, die es in verschiedenen Gültigkeitsdauern gibt oder die Carte orange. Sie können mit diesen Karten sehr schön auch alle Busse benutzen und beliebig umsteigen. Das hat enorme Vorteile! Warum? Das verraten wir erst im Kapitel "Bus".

So, nun haben Sie also Ihre Karten. In der Nähe des Schalters ist jetzt eine Art Drehkreuz, manchmal auch eine Art Bustür. Rechts daneben eine silberne Konsole mit einem Schlitz an der Vorderseite. Karte reinstecken! Sie erscheint schnell wieder direkt am Drehkreuz aus einem andern Schlitz oben auf der Konsole. Karte entnehmen und gut aufbewahren! Das Drehkreuz bzw. die Bustür ist jetzt entsperrt. Gehen Sie durch! Sie sehen jetzt vor sich an der Wand weiss-blaue Schilder mit den Namen der Endstationen der in diesem Bahnhof zur Verfügung stehenden Metros und entsprechenden Laufrichtungshinweisen. (Aha! Deswegen also ist das Merken der Endbahnhöfe der Linien so wichtig!) Diese Schilder tauchen auf Ihrem Weg (nicht unruhig werden - der kann manchmal ganz schön lang sein) so lange wieder auf, bis Sie auf dem richtigen Bahnsteig stehen. Zur Kontrolle: in der Mitte des Bahnsteiges hängt noch mal ein Schild mit der Nummer der Linie und des bzw. der Endbahnhöfe. Es gibt nämlich Metrolinien, die sich während der Fahrt teilen. Jede zweite Bahn endet dann an einem anderen Bahnhof. Das steht vorne an der Metro dran und ist auch in den Metrowagen durch kleine blau/gelbe Leuchtschilder sichtbar. Die Teilung erfolgt erst kurz vor der Endstation und dürfte für Sie nicht so wichtig sein. Ansonsten: Aufpassen, wenn die Metro einläuft und einen Blick auf die Front des Zuges werfen.

Wenn der Zug einläuft, müssen Sie die Tür durch Hochziehen eines Hebels oder Drücken eines Knopfes öffnen. Moderne Linien haben automatische Türöffnungen. Schliessen tun sich bei allen Linien die Türen automatisch. Und dies tun sie nach Ertönen eines durchdringenden Sirenentones. Hören Sie den Ton, dann steigen Sie nicht mehr ein und warten lieber auf die nächste Metro. Das dauert zwischen einer und fünf Minuten, je nach Tageszeit.

In der Metro sollten Sie sich setzen. Nutzen Sie jede Möglichkeit, Ihre Füsse zu schonen! Die Sitzplätze im Türbereich sind Klappsitze. Man erwartet von den Nutzern, dass sie bei voller Metro aufstehen, um mehr Platz für die anderen Reisenden zu machen! Die anderen festen Plätze sind immer nutzbar. Ausnahme: Kriegsinvaliden, Behinderte, werdende Mütter, Mütter mit Kleinkindern. In genau dieser Rangfolge muss diesen Reisenden der Platz angeboten werden. In der Regel kommt ein derart Berechtigter aber von selber auf Sie zu, wedelt mit einem Ausweis vor Ihrer Nase rum, schaut Sie bitterböse an oder, wenn er gut drauf ist, murmelt ein paar unverständliche Worte. Dann stehen Sie eben auf. Ein Franzose übrigens würde nie seinen Platz einem anderen Menschen freiwillig anbieten, wenn er nicht eindeutig, eben durch den Ausweis, Anrechte auf den Platz hat. Wenn Sie also Ihre/n Tochter/Sohn so erzogen haben, dass sie/er selbstverständlich ihren/seinen Platz einem älteren Menschen anbietet und sie/er das auch in Paris tut, dann wissen alle sofort: Voilà! Ein Ausländer! Soviel zum Thema soziales Bewusstsein in Frankreich. Zurück zu unserer Metro-Fahrt.

In der Metro finden Sie über jeder Tür einen Linienplan, auf dem Sie den Fahrtverlauf genau verfolgen können.

Das Mitnehmen von Tieren ist verboten. Es hält sich aber keiner dran. Das Rauchen im Bereich der Metrobahnhöfe und in den Zügen ist ebenfalls verboten. In den Zügen tut das tatsächlich keiner. Auf den Bahnhöfen kümmert sich kaum jemand darum. Aber als wohlerzogener Tourist ist es für Sie Ehrensache, die Wünsche anderer Menschen zu respektieren, oder?

Haben Sie Ihre Station erreicht, dann steigen Sie aus. Ist die Metro rappelvoll, machen Sie sich mit einem lauten und deutlichen "Pardon" bemerkbar. Wie durch ein Wunder wird eine Lücke entstehen, durch die Sie auf den Bahnsteig entfleuchen können. Und nun heisst es wieder "Adlerauge!". Wollen Sie umsteigen, suchen Sie nach den orange markierten Schildern "Correspondance" Darunter lesen Sie wieder die Endbahnhöfe der erreichbaren Linien. Folgen Sie den Hinweisen bis zum entsprechenden Bahnsteig. Wollen Sie die Station verlassen, dann richten Sie Ihr Augenmerk auf die blauen Schilder "Sortie" und folgen Sie den Richtungsangaben. Irgendwann nach dem Durchwandern von endlosen Gängen, dem Benutzen von Rolltreppen, Laufbändern und Fahrstühlen und dem Erklimmen bzw. Hinabsteigen von Treppen werden Sie endlich wieder Tageslicht erblicken, frische Luft atmen (was man so frisch nennen kann - bei dem Verkehr) und schier umkommen vor Verlangen nach einem Kaffee oder einem Kaltgetränk! Tun Sie das! Machen Sie es wie alle Franzosen und verbringen Sie die Hälfte Ihres Lebens im Café, Bistro oder Restaurant. "Faire les Terrasses!" heisst die Devise! Es gibt nichts Schöneres, als beim Kaffee auf der Strasse zu sitzen und die armen Teufel zu beobachten, die im Laufschritt ihrem Tagwerk nachgehen...

Und nun noch ein paar zusätzliche Infos zur Metro:

- erste Metro gegen 5.30 Uhr

- letzte Metro gegen 1.00 Uhr (unterschiedlich, ist deshalb auf den Bahnsteigen ausgeschildert)

- Besonders schöne architektonisch oder künstlerisch bemerkenswerte Stationen: Arts et Metiers, Cluny, Louvre, Bastille, Odeon (werden immer mehr, weil mit viel Liebe modernisiert wird).

- Augen auf während der Fahrt! Hier und da kann man einen Blick auf die geheimnisvollen Geisterbahnhöfe werfen... (z.B. zwischen Sèvres Babylone und Mabillon).

- In den Stationen, aber auch während der Fahrt, werden Sie immer wieder durch Musiker, Puppenspieler, Aktionskünstler unterhalten. Ausserdem kommen Zeitungsverkäufer während der Fahrt zu Ihnen und, was weniger nett ist, auch immer mehr Bettler. Letztere werden immer geschmackloser. Der Gipfel vor ein paar Wochen war ein Mann, der sich geräuschvoll auf die Knie fallen liess und lauthals und heulend über seine desolate Situation klagte, um danach jedem Fahrgast einen Becher hinzuhalten und Kleingeld zu erbetteln. Das alles geschah kriechend auf den Knien, um danach, an der nächsten Station, behände auf seinen zwei durchaus gesunden Beinen
aus dem Zug zu hopsen. Gefahr droht von bettelnden Zigeunerfrauen (nur Frauen - die Männer betteln nicht: dies ist eine Frage der Ehre!!!) mit ihren Kindern. Es gibt darunter welche, die sich darauf spezialisiert haben, den gutmütigen Mitmenschen einerseits abzulenken (z.B. mit unverständlichen Zetteln, die hingehalten werden) und andererseits blitzschnell zu beklauen (das Diebesgut nimmt der Mann oder Bruder, der sich in der Nähe aufhält, entgegen und bezieht dann gleich wieder seinen weiter entfernten Beobachtungsposten). Im Zweifelsfall: Schütteln Sie einfach den Kopf und vermeiden Sie von vornherein Blickkontakt.
Beobachten Sie die Einheimischen: Künstlern wird hier und da ein wenig (0,20-1 €) Geld gegeben - Verkäufern jedoch nur ganz selten etwas abgekauft - Bettler werden ignoriert!

- Einzel- oder Carnetkarten erst nach Verlassen der Station wegwerfen. Bis Sie wieder auf der Straße stehen sind Kontrollen möglich! Keine Angst vor militärisch aussehenden Kontrolleuren, die meist im Zehnerpack auftreten, bewaffnet sind, scharfe bemaulkorbte Hunde dabei haben und die Gänge hermetisch abriegeln. Entgegen aller Befürchtungen sind die Damen und Herren ausgesucht höflich und hilfsbereit. Haben Sie Ihre Karte verloren, dann bleiben Sie ruhig - dann ( und nur dann!!) werden es die Kontrolleure auch sein. Machen Sie alle geforderten Angaben und zahlen Sie gegebenenfalls die Strafe. Verbuchen Sie das Erlebnis unter "kuriose Ferienabenteuer" und ärgern Sie sich nicht länger (und wenn, dann höchstens über sich selbst). Die schönste Art der Selbstbestrafung (wenn es denn sein soll) ist die Einladung der Urlaubsbegleitung in ein Café.

- Wöchentlich erscheint eine kostenlose Zeitung von der RATP, die in den Stationen ausliegt. Mitnehmen und während der Fahrt lesen. Immer wieder findet man dort aktuelle Veranstaltungstipps (in französischer Sprache).

- Versäumen Sie nicht, mit der Linie 14 (Madeleine - Bibliothèque F. Mitterand) zu fahren. Steigen Sie ganz vorne ein. Erleben Sie das Gefühl der Panik, wenn Sie entdecken, dass es keinen Fahrer gibt. Setzen Sie sich selber ganz vorn hin und geniessen Sie das Gefühl, selber Metrofahrer zu sein! Die Linie 14 ist die schnellste und modernste Metro. Deshalb heisst sie auch Météor! Sie ist komplett computergesteuert. Das ist ÖPNV von Übermorgen!

Wollen Sie mehr über die Metro wissen? Sich einen Metro- oder Busplan ausdrucken oder einen Stadtteilplan mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln in der Umgebung Ihres Hotels? Wollen Sie aktuelle Fahrpreise erfahren? Schon mal auskundschaften, wie Sie vom Bahnhof in Ihr Hotel kommen? Dann klicken Sie sich direkt zur RATP. Aber nur, wenn Sie der französischen Sprache mächtig sind.

Ansonsten helfen wir Ihnen! Ehrensache! Auf 'Kontakt' ganz links unten klicken und Mail an uns senden. Voilà! C'est tout! À bientôt!