SHOWS UND REVUEN

Ach ja! Montmartre - Chansons - Can Can - Toulouse-Lautrec - La Goulue - Aristide Bruant - La Bohème oder so... Würden Sie eine Revue mit diesen Inhalten gerne sehen? Vergessen Sie's! Die grossen Revuen sind eher vom Las-Vegas-Format (oder sollte etwa Las Vegas von Paris...? Zutrauen würde man es denen!): Schöne Frauen (brustfrei), kernige Kerle (auch brustfrei), Sänger, Tänzer, Artisten von Weltruf, grellbunte gigantische Kulissen, Tausende von glitzernden Lichtern, Straps, Strass, Federboas und schwerpunktmäßig amerikanische Musik der Genres Show und Musical. Nur hier und da glitzert mal ein wenig Belle Epoque durch die Kulissen - mal etwas mehr, mal etwas weniger. Das ist die Revue des 2. Jahrtausends in Paris. Trotzdem hingehen? Warum nicht - ein Erlebnis für den, der es mag, ist es schon. Es gibt drei grosse Revuen mit grossen Gemeinsamkeiten und grossen Unterschieden.

Gemeinsam ist ihnen allen die obige Kurzcharakterisierung. Gemeinsam ist ihnen auch, dass man entweder vor der ersten Show ein Diner einnehmen kann, danach ein wenig tanzen und wiederum danach die Show ansehen oder einfach nur die Show inklusive 1/2 Flasche Champagner (Hausmarke) buchen kann. Das Diner wird in Form des Großcatering erledigt. Sie sitzen zwischen Unmengen von Japanern, einigen Amerikanern und wenigen wohlhabenden Russen. Auch wenn z.B. das Lido den Namen Bocuse mit dem Essen in Verbindung bringt: Was trägt heutzutage nicht alles den Namen des berühmten Maître? Und in Frankreich ist die Nouvelle Cuisine inzwischen einer eher bodenständigen aber leichten Küche gewichen, für die ganz andere Namen stehen.  Unser Tipp: Gehen Sie vorher in ein schönes Restaurant - das ist billiger, gemütlicher und macht viel mehr Spass. Und nun kommen wir zu den Unterschieden.

Lido de Paris

Lido de Paris, täglich, 116 bis, Champs Elysées, M° George-V
Diner Spectacle 20.30Uhr, Preis: 140 - 170 Euro (ja nach Diner)
Revue-Champagner 22.00Uhr und 0.30Uhr, Preis: 64 - 95 Euro (je nach Vorstellung und Tag) incl. 1/2 Flasche Champagner.
 

Das Lido ist das technisch aufwendigste Spektakel mit der grössten Zahl an Mitwirkenden und den teuersten Kulissen. Da taucht eine Eisfläche auf - Fontänen wachsen aus dem Boden - ein riesiges Aquarium mit netten Nixen wird präsentiert - Flugzeuge und Drachen schweben durch den Zuschauerraum. Technikfreaks sollten sich das nicht entgehen lassen.

Bal du Moulin Rouge

Bal du Moulin Rouge, täglich, 82, bd. de Clichy, M° Blanche
Diner Spectacle 19.00Uhr, Preis: 145 - 175 Euro (ja nach Diner)
Revue 21.00Uhr (97 Euro) und 23.00Uhr (87 Euro) (Achtung, von Champagner ist nicht mehr die Rede!)
 

Das Moulin Rouge ist eine historische Institution. Schon Toulouse-Lautrec zählte hier zu den Stammgästen und fertigte so manches, inzwischen weltberühmtes, Plakat. Wir hatten bei unseren Besuchen ein wenig das Gefühl, dass man sich auf den Lorbeeren der ruhmreichen Vergangenheit ausruht, obwohl die Show ebenso aufwendig gestaltet ist, wie in anderen Häusern. Wie gesagt: es war eben so ein Gefühl. Schwer zu beschreiben, ohne jemanden auf die Füsse zu treten. Am besten, Sie schauen sich das mal an, und mailen uns dann Ihre Gefühle. Wir werden sie an dieser Stelle veröffentlichen.

Paradis Latin

Paradis Latin, täglich ausser Dienstag, 28, rue du Cardinal-Lemoine, M° Cardinal-Lemoine
Diner Spectacle 19.00Uhr, Preis: ab 115 Euro (je nach Diner)
Revue-Champagne 21.30Uhr, Preis: ab 78 Euro (je nach Tag), incl. 1/2 Flasche Champagner.
 

Das Paradis Latin ist das letzte grosse Projekt von Jean-Marie Rivière, dem grossen König der Revuen in Paris, bevor er seinen weissen Frack für immer beiseite legte und seinen weissen Zylinder an den himmlischen Nagel hängte. Aber das Paradis lebt! Mitten im Quartier Latin. (Übrigens: direkt in der Nachbarschaft wohnte in den Zwanzigern Hemmingway über einer Sägemühle. Ein gutes Omen!) Das Paradis Latin ist viel familiärer, als die anderen Shows und erheblich pariserischer. Man hat das Gefühl, ein besonderer Gast und wirklich willkommen zu sein. Das Theater befindet sich in einem faszinierenden Saal, erbaut von Gustave Eiffel, dem Meister des Eisens der Belle Epoque. Um ganz ehrlich zu sein: es ist alles ein wenig kleiner und das Ensemble nicht ganz so zahlreich, wie bei den anderen Shows.
Aber sie sind gut! Wirklich gut! Man vermutet, weil sie Spass an ihrer Arbeit haben und stolz darauf sind, in dieser Show dabei sein zu dürfen.
Merken Sie was? Genau! Das Paradis Latin ist unser ganz grosser Revue-Tipp! Auch für die, die sonst eigentlich eine solche Show nicht besuchen! Rein mit Ihnen! Ca c'est Paris! Völlig neu im Jahre 2002: Die neue Revue "Paradis d'Amour"!

Ja ja ja! Da fehlt doch noch was! Ist ja schon gut! Die folgenden Zeilen sind für Jugendliche... Sie wissen schon!

Crazy Horse Saloon

Crazy Horse Saloon, täglich, 12, av. George-V, M° George-V
Place Orchestre: 95 Euro incl. 2 Getränke
Place Mezzanine: 75 Euro incl. 2 Getränke
Bar: 50 Euro incl. 2 Getränke
Aufpreis für 1/2 Flasche Champagner: 17 Euro
Diner-Spectacle: ab 135 Euro
Sonntag bis Freitag zwei Shows um 20.30Uhr und 23.00Uhr, Samstags drei Shows, um 19.30Uhr, 21.45Uhr und 23.50Uhr.

Der Crazy Horse Saloon ist eine Legende. 1951 gegründet von Alain Bernadin, ist das Crazy Horse Inbegriff des ästhetischen Striptease. Nee, nee, nicht was Sie so vielleicht unter Striptease verstehen. Der Saloon zählt nicht zur Kategorie fachbezogene Unterhaltung für Gynäkologen. Hier wird von echten Tänzerinnen eine Show dargeboten, die von witzigen Kulissen und höchst kreativen Lichteffekten umrahmt wird. Trotzdem ist es Geschmackssache, ob man sich eine ganze Show dieser Art ansehen möchte. Aber ehrlich: wer die Nase drüber rümpft, sollte seine Auffassung von Toleranz mal ernsthaft überprüfen! Und natürlich vorher reingehen. Denn wer wird wohl urteilen, ohne das Objekt wirklich zu kennen? Da kann man ja gleich öffentlich kund tun, dass man ein glanzloser kleinkarierter Ignorant ist... (Diese letzten vier Sätze gelten für alles im Leben!)

Follies Bèrgères: Nuits Follies

Endlich! Nach vielen Jahren mit dem Versuch, Musicals auf die Bühne zu bringen, haben die Follies zu ihren Ursprüngen zurückgefunden. Eine Revue der guten alten Art. Die Eintrittspreise sind überraschend günstig! Kein Vergleich zu anderen Revuetheatern. Allerdings gibt es auch keine halbe Flasche Champagner dabei. Aber die kann man ja auch vorher bzw. nachher in einem netten Bistro trinken. Das Theater ist ein historisches Schmuckstück. Ist das Foyer noch in Gold und kräftigem Türkis gehalten, so wird es im Zuschauerraum plüschig Bordeaux, verziert mit goldenen Fresken. Der Zuschauerraum ist aufgeteilt wie ein Theater. Einzelklappsitze auf ansteigendem Boden und halbrunde Balkone. Die Klappsitze allerdings wurden schon von Rückfronten abgewetzt, die schon lange den Weg allen Irdischen genommen haben. Irgendwie eine faszinierende Vorstellung.

Das einzig Moderne sind Licht- und Tonanlage. Und eine Art durchsichtiger Weg aussen am Balkon angebracht. Wenn da jemand lang geht, läuft er genau über den Köpfen des Publikums im Erdgeschoss. Und genau dieses passiert in der Vorstellung zwei mal. Zunächst eine Gruppe hübscher Tänzerinnen. Die Männer im Erdgeschoss schielen alle hoch und bewundern, was da so unter den Röcken zu sehen ist! Bis sie von ihrer weiblichen Begleitung leicht pikiert oder amüsiert angestupst werden. Wenig später benutzen Herren in Schottenröcken diesen gläsernen Weg. Ha! Kaum eine Dame, die nicht die Gelegenheit ergreift, das Geheimnis zu ergründen, was unter den Kilts versteckt ist. Die Herren sind entweder beleidigt, weil sie gerade eben noch zurechtgewiesen wurden, als sie das Gleiche taten oder gackern vor sich hin, angesichts der Dame, die mit leicht gerötetem Teint zu ihrem Herren rüberschielt, ob er ihren Blick bemerkt hat.

Die Vorstellung selber ist eine Reise durch die Zeit. Viele Formen des Tanzes werden von einer guten Truppe vorgeführt. Auch ein paar barbusige Damen sind dabei, aber lange nicht so oft, wie in den anderen Revuen. Unterbrochen werden die Tanzeinlagen durch zwei Sängerinnen, von denen die beleibtere die eindeutig talentiertere ist. Wunderschön: die gekonnt dargebotene Piaf-Retrospektive! Ausserdem zeigen dann noch ein paar Artisten ihre Kunst. Also im Grunde grosse Ähnlichkeiten zu den anderen Shows in anderen Theatern auch. Unterschiede gibt es bei den Kulissen und Requisiten. Erstere beschränken sich meist auf eine Leinwand, auf die projiziert wird, zweitere sind sehr rar gesät. Dennoch insgesamt durchaus akzeptabel. Zumal die Follies ja auch ganz andere Preise haben und mit einem ganz anderen Zeitansatz planen. Und ausserdem gibt es noch nicht die Verbindungen zu Reiseveranstaltern, die dann, wie in den anderen Theatern, die Gäste gleich Busweise ankarren. Da muss man schon ein wenig anders rechnen. Fazit: Eine gute Show zu einem sehr günstigen Preis in tollem Ambiente. Und der Cancan war der beste und längste, den wir bis jetzt in Paris sahen! Also: Ansehen und Spass haben, les amies!


Für alle Shows gilt: So schnell wie möglich reservieren! Siehe Kapitel "Links" oder klicken Sie auf den Namen zu Beginn des jeweiligen Absatzes.

Es gibt noch viele weitere Shows in Paris. Näheres lesen Sie unter Diner-Spectacle im Pariscope (0,40 Euro an jedem Kiosque). Aber auch unter den Links.
Hervorzuheben sind noch Michou und Madame Arthur mit ihren zum Teil sagenumwobenen Travestieshows. Um hier alles mitzubekommen, sollte man allerdings recht gut französisch sprechen. Andere Shows sind nicht schlecht, kommen aber an die Grossen der Branche nicht heran. Und dann gibt es noch viele, die einfach auch was vom Touristenkuchen abbekommen wollen. So sind dann auch die Shows. Die Sexshows vor allem rund um Pigalle können wir getrost vernachlässigen. Deshalb sind Sie doch nicht nach Paris gekommen? Eben! Das bietet auch jedes Rotlichtviertel in good old Germany.

Sie kennen vielleicht noch weitere berühmte Namen. Das Alcazar de Paris zum Beispiel. Leider hat das Travestielokal (auch von Jean-Marie Rivière gegründet) aufgehört zu existieren. Nur der Name ist noch da und gehört zu einem SchickimickiNewArtLaden mit eiskalter Designer-Einrichtung, gedacht als Bar und Restaurant am selben Orte. Oder die Follies Bergère. Die gibt es noch. Aber es wurden dort lange Zeit keine Revuen mehr gegeben, sondern Musicals und ähnliches. Dennoch lohnt der Besuch, denn ab September 2002 soll der alte Glanz der Follies wieder zurückkehren. Eine neue große Revue wird gestartet. Sobald wir sie gesehen haben, werden wir an dieser Stelle darüber berichten!  Das Casino de Paris. Das ist so eine Sache: es wurde vor ein paar Jahren offiziell geschlossen. Aber immer mal wieder wird es von einem Investor kurzfristig zum Leben erweckt, nur um wieder im Konkurs zu versinken. Schauen Sie ins Pariscope, ob es mal wieder lebt und gehen Sie schnell hin! Rechnen Sie dann allerdings eher mit Gastspielen.

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