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Paris auf dem Wasser

 

 

Fluctuat nec Mergitur – Es schwankt, aber es wird nicht untergehen! So steht es auf dem Pariser Stadtwappen. Und an anderer Stelle lesen wir: „Von den Wogen geschüttelt, wird es doch nicht untergehen!“ Das meint mit ergebener Stimme der Pirat aus dem legendären Heft ‚Asterix in Britanien“, als sein Schiff mal wieder von den Ga-Ga-Ga-Ga-Galliern versenkt wurde.

 

Wie dem auch sei: Paris und das Wasser sind zwei Dinge, die schon immer zusammengehörten. Schliesslich gründeten die Parisii, ein gallischer Stamm, nur deswegen ihr Dorf auf einer kleinen Insel in der Seine, weil es durch das Wasser rundherum geschützt war. Diese Insel kennen wir heute als Île de la Cité. Die Seine bedeutete für Paris schon immer Schutz und Lebensunterhalt zugleich, war sie doch auch immer eine beliebte Handels- und Reiseroute. Ehren wir also mit diesem Kapitel die Mutter aller französischen Flüsse, gebar sie doch unsere Lieblingsstadt.

 

Die Seine hat sich verändert. Kaum noch Handelsschiffe, dafür umso mehr Ausflugsflotten, Hausboote und Yachten. Machen Sie also eine Gedenkfahrt an die Zeit, als die Seine noch Ernährer Ihrer Ufer- und Inselbewohner war. Sie haben dazu einige Möglichkeiten:

 

-         Les Bateaux Mouches, Pont d’Alma, M° Alma-Marceau

-         Les Vedettes du Pont Neuf, Square du vert Galant/Pont Neuf, M° Pont Neuf

-         Les Bateaux Parisiens, Quai de Grenelle, M° Bir Hakeim oder RER Champs de Mars

 

Alle diese Adressen bieten Ihnen das gleiche Vergnügen: eine etwa einstündige Schifffahrt auf der Seine von der Südspitze der Île St. Louis bis zur Freiheitsstatue hinter der Pont de Grenelle. Bei schönem Wetter sitzt man draussen und geniesst Sonne und frische Brise, regnet es, dann kann man sich in die geheizte Kabine verziehen und dort die Fahrt verfolgen. Damit Sie nichts verpassen, werden Ihnen die Erklärungen über die Plätze, Kirchen, Monumente und Museen links und rechts der Seine mindestens viersprachig und immer vollelektronisch in die Ohren gepustet. „A babord le Louvre.... à tribord le Quartier Latin....!“ Sehr informativ sind vor allem die japanischen Erläuterungen. Zu empfehlen ist eine Lichterfahrt nach Einbruch der Dunkelheit. An den Seiten der Schiffe befinden sich beeindruckende Schweinwerferbatterien, die dann die Ufer der Seine und alle Häuser, die sich daran befinden, gleissend hell erleuchten. Gut! Würde ich in einem dieser Häuser wohnen, könnte ich gar nicht darüber lachen bis 23 Uhr täglich jedes einzelne Staubkörnchen meiner Wohnung unter hollywoodreifer Beleuchtung alle drei Minuten bewundern zu können. Aber ich wohne ja nicht da. Und ich werde da auch nie wohnen. Es sei denn, ich werde Erbe des Paradis Latin. Aber dazu mehr an anderer Stelle.

 

Etwas ganz Besonderes scheint eine Bootsfahrt bei Einbruch der Dunkelheit in einem der wirklich üppig und edel aussehenden Restaurantschiffe, besonders der Bateaux Mouches, zu sein. Scheint nur so. Is aber nich. Is nur teuer. Und das Essen liest sich nur gut auf der Menuekarte. Ansonsten nichts Umwerfendes. Sollten Sie sich doch für eine solche Fahrt entscheiden, dann rechnen Sie mit einer Fahrt inmitten hunderter freundlicher Japaner, die Sie, pausenlos Blitzlichtgewitter produzierend und aufgeregt plappernd, ohne Unterbrechung freundlich anlächeln. Hier dazu unser Service: Guten Tag kling so wie „Kohnitschiwa“ und Ja wie „Haii!“ Scheinbar gehört ein festliches Essen auf der Seine zum Standardangebot ‚Europa in 10 Tagen’, diesem Lebenstraum eines jeden Japaners, der oft eine solche Reise als Motivationsgeschenk von seiner Firma erhält. An dieser Stelle sende ich nach kurzem Überlegen eine eigentlich nicht hier her gehörige Nachricht an meinen Arbeitgeber: „ Ich fühle mich ganz leicht unmotiviert...!“

 

So, war’s das nun zum Thema Wasser? Pas du Tout! Mitnichten! Zunächst ein kurzer Hinweis auf die Alternativ-Wasser-Besichtungs-Tour. Alternativ klingt auch meistens billiger. Schon. Zumindest aber praktischer. Die Rede ist von den Batobus. Lesen Sie dazu mehr im Kapitel ‚Fortbewegen’ unter dem betreffenden Link.

 

Und nun zum Miniwasserspass. Auch eher ein Spass für Minibesucher, also pour les enfants. Sowohl in den Tuilerien als auch im Jardin du Luxembourg (dort ist es netter!) gibt es die Möglichkeit, an den Bassins kleine Modellboote zu mieten und diese auf den künstlichen Teichen mal ein wenig segeln zu lassen. Ein Vergnügen, das zu den ganz grossen Ereignissen der Pariser Kinder zählt. Bei dieser Gelegenheit: schauen Sie mal um sich rum, wenn Sie dort sind. Fällt Ihnen was auf? Beobachten Sie mal die Kinder und die dazugehörigen Damen. Vor allem in den sonnigen Mittagsstunden eines Wochentages. Pardon! Auch Franzosen sind keine genetischen Wunder. Denn welche Erklärung gäbe es sonst noch, dass die Mehrheit der Mütter farbig, die Kinder dies jedoch eindeutig nicht sind. Die Lösung des Mirakels: wohlhabende Franzosen leisten sich selbstverständlich eine Gouvernante für den hoffnungsvollen Nachwuchs. Und eine farbige Gouvernante ist in Paris deutlich billiger.

 

Apropos künstliches Gewässer. Wenn Sie mal selber ein Boot befehligen wollen, das gross genug ist, um auch selber drinzusitzen, dann fahren Sie mal raus in den Bois de Boulogne. Dort gibt des den Jardin d’Acclimation und dortselbst lebensgrosse Boote zu mieten, um auf einem kleinen See mal selber rumzuschippern.

 

So, und wenn Sie es geschafft haben, bis hier zu lesen, dann sollen Sie auch belohnt werden. Mit einem Ausflugstipp, der Sie durch das unbekannte Paris führt und voller Romantik und Spass ist. Er beginnt in der berühmten Historie der Stadt und endet in der Zukunft. Gemeint ist eine mehrstündige Fahrt (ganzer Vor- oder Nachmittag) mit den Booten auf den Kanälen der Stadt. Kanäle? Wo sind die denn? Da, wo die Touristen selten hingeführt werden und wo noch echte Pariser wohnen: im 12., 11., 10. und 19. Arrondissement. Die Fahrt beginnt im Port de l’Arsenal an der Bastille, ein kleiner Hafen mit Yachten und Hausbooten. In einem kleinen Ausflugsboot geht es sodann in die Unterwelt. Sie fahren ein Stück den unterirdischen Canal St. Martin und erreichen dann im 10. Arrondissement wieder das Tageslicht. Eine traumhafte Fahrt führt Sie dann auf dem engen Kanal, vorbei an einem Stück urwüchsigen Paris bis hinauf zum Bassin de la Villette bzw. dem Parc de la Villette (Endstation wechselt). Das Besondere: Sie befinden sich auf einem historischen Wasserweg, der Jahrhunderte als Versorgungsader mit Wasser und ländlichen Lebensmittel für die Stadt diente. Ein grosser Höhenunterschied zwischen Bastille und La Villette muss überwunden werden. Dies tut man in Form unzähliger kleiner Schleusen, zum Teil mehrere hundert Jahre alt. Tipp: wenn es sehr warm ist oder Sie einen Mitfahrer mal richtig eins auswischen wollen, dann setzen Sie sich ganz vorne praktisch in den offenen Bug des Schiffes. (Bei Regenwetter ist die Kabine natürlich netter). Ziehen Sie sich dann bei Einfahrt in die erste Schleuse entweder die Schuhe und Strümpfe aus oder aber diskret zurück. Hahaha! Nasse Füsse sind gar kein Ausdruck! Sobald sich die hintere Schleusentür schliesst, ergiesst sich ein kräftiger Wasserstrahl aus der vorderen Schleusentür direkt vor den Bug des Bootes. Wo der Witz ist? Der ist in der Welle, die der Wasserstrahl erzeugt. Und die schwappt so richtig kräftig über den Bug, über die Schuhe, die Strümpfe, die Hosenbeine bis die letzten Gischttropfen auch das Haar zart benetzen. Gönnen Sie sich den Spass.

 

Sie haben eigene Erfahrungen, was die Seine, die Kanäle und die künstlichen Seen in Paris betrifft? Mailen Sie uns! Links unten finden Sie ‚Kontakt’, draufklicken und den Hinweisen folgen.