Der Restauranttipp: Istanbul

 

Eigentlich lautet der Name vollständig: „Welcome to Istanbul“, aber das ist allen Beteiligten viel zu lang, also hat man sich auf die Kurzform Istanbul geeinigt.

 

Die Preise, gerade unter Einbeziehung der Getränke, sind sensationell niedrig. Das Istanbul ist also ein Lokal gerade auch für den kleinen Geldbeutel.

 

Hier ist mal ein Tipp für die, die – warum auch immer – gerne eine Alternative zum französischen Essen hätten. Denn immer mal wieder erreicht mich dieser Wunsch nach Lokalitäten, in denen man schnell, anders, zu extrem später Stunde, aber auch besonders essen kann. Und alle diese Wünsche werden durch dieses Lokal befriedigt. Und sogar noch ein paar mehr: es liegt zentral, man spricht deutsch, gegenüber und in naher Umgebung liegen eine Reihe von Musikkneipen, Clubs und Discos mit Nachtkonzession.

 

Es handelt sich, wie der Name schon vermuten lässt, um ein türkisches Restaurant. Ein paar Tische auf der Terrasse, weitere Tische im Saal und zusätzlich auch noch ein gut eingerichteter Speiseraum im Untergeschoss laden zum Verweilen ein. Klassisch türkisch ist der Kühltresen und dahinter die offene Küche. Man kann sich also hier die Speisen auch gerne vorher ansehen, die man bestellen will und bei der Zubereitung zuschauen. Dies ist ja alte Tradition im ganzen Orient. Ich wünschte mir manches mal in Deutschland, ich hätte hier ebenfalls die Möglichkeit, vor dem Bestellen einen Blick in die Küche und auf die Speisen eines Lokales zu werfen...

 

Das Angebot im Istanbul ist klassisch für Lokale dieser Art in Paris: Gegrilltes, wobei natürlich Döner nicht fehlen darf, mit Salaten, Pommes Frites und Sossen aller Art. Da es sich um ein türkisches Lokal handelt, gibt es natürlich kein Schweinefleisch, sondern Lamm, Rind und Geflügel. Hungrig geht hier niemand raus: die Portionen sind wirklich ausreichend. Besonders herauszustellen ist eine mediterrane Vorspeise, die man auch beim Griechen oder in israelischen Restaurants bekommt und einfach köstlich schmeckt: Tarama. Es handelt sich um eine würzige Creme auf der Basis von Fischrogen. Auch in Deutschland wird diese rosa aussehende Creme verkauft, allerdings vergleichsweise selten in Restaurants, wenn überhaupt, dann meist bei den Griechen. Nur in größeren deutschen Supermärkten ist Tarama erhältlich. In Paris bekommt man Tarama in allen mediterranen Restaurants, begonnen  mit Griechenland südwärts bis Nordafrika. Tarama bekommt man in Paris auch in den kleineren Supermärkten und Lebensmittelläden. Es ist also eine sehr bekannte Spezialität in Frankreich und sollte unbedingt mal probiert werden.

 

Erreichen kann man das Istanbul leicht. Es befindet sich im unteren Teil der Rue Saint Jacques nahe der Seine. Dieser Teil heißt hier Rue du Petit Pont. Die nächsten Metrostationen sind Saint Michel oder Cluny. Leicht zu erklären ist der Weg von Notre Dame aus. Steht man vor der Kathedrale, geht man, die Kirche im Rücken, gerade über den Vorplatz (Parvis Notre Dame) und dann links über die Seinebrücke Petit Pont. Geradeaus weiter noch einige wenige Schritte und schon steht man vor dem Istanbul auf der rechten Straßenseite (gesehen von Seine aus). Gegenüber sind einige Musikkneipen und Tanzlokale. Das Istanbul liegt also in unmittelbarer Nähe zur Fressmeile Saint Michel rund um die Kirche Saint Sévérin, aber doch schon so weit weg, dass man sich hier schlechte Qualität nicht leisten kann. Als wir da waren, haben immer wieder Nachbarn und türkische Landsleute dort gegessen – ein gutes Omen für ein Speiselokal.

 

Geleitet wird das Restaurant von zwei Brüdern. Der eine ist in Frankreich geboren, der andere in Deutschland. Letzterer mit dem schönen Namen Dschengis führte, bevor er nach Paris kam, in Bonn ein türkisches Restaurant. Dschengis ist also der Ansprechpartner für deutsche Gäste. Eigentlich mehr andersrum: sobald Dschengis deutsche Laute im Lokal hört, bekommt er begeisterte Augen und stürmt auf den Tisch zu, der ab diesem Moment unter seiner persönlichen Betreuung steht. Sollte dann noch der Gast von Monsieur Bernard (wer’s noch nicht gemerkt hat: das bin ich) herzlich grüssen, dann garantiere ich für einen äußerst gemütlichen und leckeren Abend im Istanbul. So wurden auch wir mit Dschengis bekannt, als er uns unter seine Fittiche nahm, als er merkte, dass wir Deutsche waren. Deutlich war der Grund für seine ungewöhnliche Gastfreundschaft: Heimweh nach Deutschland. Wer also einem Heimwehkranken türkischstämmigen Deutschen in Paris eine kleine Freude machen will, der besucht das Istanbul.

 

Touristisch interessant: vor dem Haus fährt der Bus von Paris Open Tours, für Postkarten ist ein Briefkasten praktisch ohne Aufstehen erreichbar. Nebenan befinden einige Andenkenläden, die äußerst preiswert sind! Außerdem verfügt das Haus über für diese Gegend unglaublich gepflegte Toiletten der mitteleuropäischen Art (also keine altfranzösischen Stehklos, die man gerade in diesem Viertel öfter noch vorfindet). Direkt gegenüber ist eine Musikkneipe, in der jeden Abend die Post abgeht.

 

Und hier die Fakten:

 

Restaurant Istanbul

Rue du Petit Pont 4

75005 Paris

Telefon: 0033 (0)1 40 46 09 79 (von Deutschland aus)

 

Öffnungszeiten:

Täglich von 12 Uhr bis mindestens 2 Uhr in der Nacht (oft noch länger)

M° Saint Michel oder Cluny (Ausgang Saint Jacques gleich am Bahnsteig nehmen! Oben dann links an der Kreuzung in die Rue Saint Jacques hinein und immer geradeaus. Istanbul befindet sich fast am Ende de Straße auf der linken Seite)

 

Und nun kommt die Speisekarte, schön auf Deutsch übersetzt. Wer möchte, druckt sie sich einfach aus und nimmt sie mit ins Restaurant:

 

Deutsche Speisekarte des Restaurant Istanbul