MAGIE DANS LE METRO

 

So nennen wir mal dieses Kapitel in Anlehnung an den berühmten Louis-Malle-Film „Zazie dans le Metro“ (Auch wenn der Film zwangsweise (denn als Zazie mit ihr fahren will, wird gerade mal wieder gestreikt) wenig mit der Metro zu tun hat: wunderschön, skurril und witzig!).

 

Die Metro in Paris gehört zu den ältesten U-Bahnen Europas. Die Linie 1 eröffnete zur Weltausstellung 1900. Weil man sie, wenn man in Paris ist, automatisch einfach benutzt, um schnell von einem Punkt zum anderen zu kommen, bemerkt man oft nicht, dass die Metro selber eine große historische Sehenswürdigkeit der Stadt ist. Deshalb soll hier mal auf die Metro nicht als Fortbewegungsmittel, sondern als Besichtigungspunkt auf der Programmliste eingegangen werden. Und wir machen die Metrobesichtigung in Form einer Rundfahrt, die schon ganz schön umfangreich ist. Sinn macht eine Tages- oder Mehrtageskarte. Wenn man allerdings die Station Abbèsses als Besichtigungspunkt weg lässt und am Palais Royal, der Gare de Lyon und am Trocadéro nicht den Metrobereich verlässt, dann ist diese Tour für ganze 1,40 € zu machen!!!

 

Hier unser kleiner Tourvorschlag:

 

Wir beginnen unsere Rundfahrt natürlich am wichtigsten Ort der Stadt, dem Rathaus. Fahren Sie also vom Hotel zunächst mal bis

 

-         Hôtel de Ville. Hier gibt es tolle Wandfliesen mit Bildern über die Geschichte des Viertels und besonders des Rathauses. Weiter geht’s mit der Linie 1 in Richtung Vincennes bis

 

-         Bastille. Auf dem Bahnsteig der Linie 1 gibt es ein großes Fliesenfresko über die Erstürmung des alten Gefängnisses. Weiter geht es mit Linie 5. Auf diesem Bahnsteig können Teile der alten Grundmauern der Bastille besichtigt werden. Mit der Linie 5 Richtung Bobigny geht’s dann bis

 

-         Jaurès. Auf dem Bahnsteig der Linie 2 sieht man Glasmosaike, die die Fahnen der Revolutionäre bei der Erstürmung der Bastille symbolisieren sollen. Mit dieser Linie 2 Richtung Porte Dauphine geht’s dann bis Pigalle. Hier Umstieg in die Linie 12 bis

 

-         Abbèsses. Die Sehenswürdigkeit befindet sich an der Wand der Treppen hoch zum Ausgang. Für Liebhaber naiver moderner Malerei ein absolutes Muss. Ein Muss auch der Eingang oben, einer der letzten erhaltenen Jugendstileingänge zur Metro von Hector Guimard. Wo wir gerade am Tageslicht sind, machen wir hier auf der Place des Abbèsses auch in einem der vielen Cafés eine gemütliche Pause.

Mit der Linie 12 in Gegenrichtung geht es danach zurück bis zur

 

-         Concorde. Die Buchstaben auf den Fliesen an Wand und Decke sind der komplette Text der Menschenrechte. Und weiter geht es mit der Metro 12 Richtung Mairie d’Issy bis zur

 

-         Assemblée Nationale. Hier kann man auf dem Bahnsteig die Silhouetten einiger Volksvertreter in der Volksversammlung bestaunen, die in jeder Wahlperiode erneuert und aktualisiert werden.  Mit der nächsten Metro 12 in der gleichen Richtung Mairie d’Issy geht’s weiter bis Sévres-Babylone. Hier Wechsel in die Linie 10 zunächst in Richtung Boulogne bis

 

-         Javel-Andrée Citroen. Viele Bilder an der Wand erinnern hier an den großen französischen Autobauer, dessen Fabrik genau über der Station stand und nun ein Park ist. Mit der Linie 10 geht es nun in Gegenrichtung Gare d’Austerlitz bis

 

-         Cluny - La Sorbonne. Ein Mosaik über die ganze Decke zeigt die Unterschriften großer Herrscher und Politiker der Grande Nation. An der Wand gibt es die Erklärung dazu. Mit der RER B3 oder B5 geht es jetzt zur Station Châtelet. Hier wechseln wir in die Linie 1 Richtung La Défense. Auf dem Wege von der RER zur Metro geht es über das längste Laufband, das je für eine Untergrundbahn gebaut wurde. Nächster Halt ist schon

 

-         Louvre-Rivoli. Eine Station, die ihrem Namen alle Ehre macht: sie sieht schon aus, wie das größte Museum der Welt. Weiter geht es mit der Linie 1 in der gleichen Richtung bis

 

-         Palais Royale-Musée du Louvre. Der Wandschmuck hier besteht aus 2 Millionen Perlen mit 2 mm Durchmesser, erschaffen vom Schamanen Santos De La Torre. Zum Tausch erhielt die Stadt Mexiko einen der Originaleingänge von Guimard, der jetzt in Mexiko steht. Es handelt sich um eine Partnerschaft der Verkehrsbetriebe von Mexiko-Stadt und der RATP. Und wieder planen wir eine kleine Pause ein. Warum nicht ein wenig Licht und Luft im schönen Park im Innenbereich des Palais Royal tanken? Nach unsere Pause geht es mit der Linie 7 jetzt Richtung Mairie d’Ivry/Villejuif (egal mit welcher) bis

 

-         Pont Neuf. Riesige Münzen an den Wänden und auch ein paar Vitrinen mit Ausstellungstücken weisen auf die über dem Bahnhof stehende Münzpräge, dem Hótel de la Monnaie hin. Mit der Linie 7 in Gegenrichtung, nämlich La Courneuve, geht es bis

 

-         Chaussée d’Antin. Riesenbilder an den Wänden hier und auf dem Bahnsteig der Linie 9 zeigen General Lafayette im amerikanischen Bürgerkrieg. Mit der Metro 9 Richtung Pont de Sèvres geht es nun bis Trocadéro. Hier wird umgestiegen in die Linie 7 Richtung Nation bis Montparnasse-Bienvenue. Wir schlagen allerdings vorher eine Pause auf der Terrasse des Trocadéro zwischen den beiden Flügeln des Palais Chaillot vor, dem schönsten Punkt der Stadt, um den Eiffelturm zu bestaunen. Also danach erst rein in die o.a. Linie 7 Richtung Nation bis Montparnasse-Bienvenue. Auf dem Wege dahin überquert die Linie 7 die

 

-         Brücke Bir-Hakeim, die einen tollen Ausblick auf den Eiffelturm gewährt. In Montparnasse-Bienvenue (Bienvenue heißt in diesem Falle nicht Willkommen, wie der Sprachkundige das Wort übersetzen würde, sondern ist der  Name des Erbauers der Metro in Paris!) wird umgestiegen in die Linie 13 Richtung Gabriel Péri/Saint Denis (egal welche) bis

 

-         Varenne. Über diesem Bahnhof ist das Rodin Museum. Und mitten auf dem Bahnsteig steht dann auch ein Nachguß des berühmten Denkers von Rodin in Originalgröße. Weiter geht es mit der Metro 13 in der gleichen Richtung bis

 

-         Saint Lazare. Und hier tauchen wir in die Welt der Metro von Morgen ein. Hier beginnt das Modernste auf dem Gebiet des Transportes von Menschen unter der Erde: eine komplett automatische U-Bahn! Wir gehen also zur Linie 14 Richtung Bibliothèque Francois Mitterand. Ab jetzt funktioniert alles komplett ohne Menschen: die Lautsprecherdurchsagen, die Sicherheitstüren und auch die Metro selber! Steigen wir ganz vorne ein und sitzen dort, wo der Fahrer normalerweise sitzen sollte und fühlen wir uns wie ein echter Metrochauffeur! Gefahren wird bis

 

-         Gare de Lyon. Hier gibt es das größte unterirdische Herbarium, das jemals in einer Untergrundbahn gebaut wurde, voll mit exotischen Pflanzen. Auch hier könnte ine Pause lohnen. Denn oben in der Bahnhofshalle befindet sich das anerkanntermassen schönste Bahnhofslokal der Welt: Le Train Bleu, eines der wenigen echten Jugendstillokale. Das Essen ist hier nicht billig, aber einen Café oder ein Schlückchen an der Bar ist bezahlbar. Mit der Linie 1 Richtung La Défense fahren wir dann bis Hôtel de Ville und steigen dort um in die Linie 11 Richtung Mairie des Lilas. Nun folgt der Höhepunkt unserer Rundfahrt und der befindet sich in der Station

 

-         Arts et Metiers. Eine Station zu Ehren des genialen Jules Verne und als Hinweis auf das Museum der Erfindungen über dem Bahnhof. Eine Station, die aussieht wie Nautilus, das U-Boot des Kapitän Nemo!

 

Hiermit ist unsere Rundfahrt beendet.  Es gibt noch viele Stationen, die eine Besichtigung wert sind und ständig kommen neue hinzu, denn die RATP ist sehr bemüht,  die Bahnhöfe zu renovieren und zu Schmuckstücken der Stadt zu machen. Und es gibt noch einige Kuriositäten, z.B. die Station Argentine, die dem Land Argentinien geschenkt, von der sagenumwobenen Eva Péron eingeweiht wurde und noch immer unter der baulichen Aufsicht der Argentinischen Botschaft in Paris steht. Aber ich fange schon wieder an. Nun soll es genug sein!